Ich wollte mal meine Meinung als "Halbaussteiger" aus dem Windsurfen kurz darlegen.
Zuerst zu mir:
Ich bin 18 Jahre, gehe in die 13. Klasse ( im Winter Abitur ) und surfe seit 2004.
Vom Können her beherrsche ich aktuelle Freestylemanöver (Flaka, Shaka, CF Spock), fahre sehr gerne in der Welle (Tabletop, erste Backloop-Versuche) und auch freeridemäßig fahre ich Duck-, Power- und Laydownjibe voll durchgeglitten ( laut Meinung meines Dads bin ich einer der einzigsten Freestyler, der auch die Halsen spielerisch durchgleitet ).
Im Sommer habe ich öfters als Surflehrer gearbeitet und war selbst schon an unzähligen Surfstationen weltweit.
Im Sommer bin ich 5 Wochen in Dahab gewesen, wo ich zu dem Entschluss gekommen bin, aus dem Windsurfen "halb auszusteigen" bzw. deutlich weniger zu surfen als bisher.
Es gibt viele Sachen, die mich aktuell an der Windsurfbranche stören und die mich zu der Meinung bringen, dass unser Sport, so wie er aktuell existiert, keine große Zukunft mehr hat.
Mir ist aufgefallen, dass Windsurfen (vor allem in der Welle und Freestyle) auf Menschen aller Altersgruppen enormen Eindruck macht.
Schon oft wurde ich gefragt, ob nicht beim Einstieg in den Sport helfen kann.
Ein gewisses Grundinteresse ist schon da, das Bild vom Stehsegler mit Dreiecksegel etc. scheint durch manche TV-Publikationen des Windsurfens ( Köster im Sportstudio, Live Bericht vom WC Sylt.... ) der Vergangenheit anzugehören.
Nur frage ich mich seit Jahren:
Wieso erschweren wir den Einstieg ins Windsurfen so arg?
Seit Jahren sehe ich Anfänger im Kurs, die bei 6-7 Windstärken rausgeschickt werden und anschließend mit dem Rettungsboot der Surfstation wieder an den Strand gezogen werden.
Ob der- oder diejenige jemals wieder sich (freiwillig) auf ein Surfboard stellt, braucht man sich erst gar nicht zu fragen...
Den Surflehrern und -stationen scheint es im diesen Punkt nur um das schnelle Geld zu gehen.
Nachhaltigkeit steht weit weit im Hintergrund.
Als ich selbst als Surflehrer gearbeitet habe, habe ich selbst bei 4-5 Bft. keine Anfängerkurse unterrichtet, da dies meiner Meinung nach kontraproduktiv ist.
Da warte ich lieber auf 2-3 Bft. und die Anfänger machen schnell große Schritte und vor allem: Es macht ihnen Spaß!!
Und wenn die Schüler dann erste Lernerfolge sehen und schon nach 3 Stunden Kurs mit Schwertboard Höhe laufen, Wenden etc. können (aus eigener Erfahrung), dann bekommt man oft das Feedback, dass die Schüler unbedingt weiter surfen wollen, nächstes Jahr wieder kommen und an dem Sport festhalten.
Nächster Punkt:
Leihmaterial an Surfstationen
Manchmal schüttel ich mir den Kopf, wenn ich sehe, was an bestimmten Surfstationen als "Leihmaterial" ausgehändigt wird.
Und nein, ich meine professionelle Surfstationen, nicht die "Surfstation" einer Touristenburg bspw. in der Türkei.
2 Wochen Leihmaterial kosten halt mal schnell 300-350€ und an manchen Stationen bekommt man für den Preis locker
2 Leihboards gekauft ( in Anbetracht des Alters und des Zustands ).
Ein weiterer Punkt, mit dem sich Windsurfen ins eigene Fleisch schneidet, sind die Mondpreise für neues Surfmaterial.
Nach Surfkursen verteile ich sehr gerne Materialprospekte an Surfschüler aller Altersklassen, die die Hefte begeistert durchblättern und die gezeigte Action bewundern.
Wenn dann aber ein Blick auf die Preise geworfen wird und es steht neben einem Freestyleboard ein Neupreis von 1899€ (gewisse Marken sind schon bei den teuren Boards bei über 2000€ angekommen; wohlgemerkt für ein Serienboard!), dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Jahr für Jahr weniger Surfmaterial verkauft wird und immer mehr nach ihrem Anfängerkurs das Handtuch werfen.
Worüber ich mich ebenfalls aufrege, ist der unglaubliche Betrug seitens der Boardhersteller.
" What you see is what you get " prahlen sie und versprechen eine Carbon-Kevlar Bauweise, die leicht, stabil und (sau)teuer ist.
Nun ja, wenn man mal einen Blick auf gebrochene Boards ( aller Marken ) wirft, sucht man oft vergeblichst das Carbon bzw. es ist so wenig davon verbaut, dass eine Sauerei ist, dass diese Bauweise so überhaupt benannt wird.
Stellt euch mal vor BMW bringt den neuen M3 raus und anstatt von 420 PS und 4000cm^3 Hubraum besitzt dieser eben nur 350 PS und 3,5 Liter Hubraum mit der Begründung, dass das ja eh keiner merkt.
Man würde in Fachkreisen von einer Sauerei sprechen, wir Surfer scheinen nichts dagegen zu unternehmen...
Es gibt noch weitere Punkte, die ich für nicht sinnvoll halte (1-Jahres-Produktzyklus; ein mit neuem Design versehenes (vom Shape her gleiches Board) als neues Modell rauszugeben etc. )...
Weiterhin spielten bei meiner Entscheidung auch persönliche Gründe eine Rolle, nicht dass einer denkt, dass ich aufgrund der oben genannten Punkte allein das Windsurfen "halb aufgebe".
Zum Einen schreibe ich im Winter das Abitur und nächstes Jahr fängt vorraussichtl. mein Wirtschaftswissenschaften-Studium in Frankfurt(Main) an.
Was heißt das "Halbaussteigen" für mich?
Ich werde Teile meines Surfmaterials verkaufen und zukünftig wohl nur noch 1-2 mal im Jahr im Urlaub surfen.
Statt einem Kombi fahre ich nun einen Seat Leon ( Golf-Größe ).
...
Ganz aufgeben werde ich das Surfen wohl dennoch niemals...