Es war hier schon von der "zentralen Riggfigur" die Rede. Dieser Begriff wurde von Claudio in seinem Lehrbuch geprägt. Ich versuch mal eine Kurzbeschreibung wiederzugeben:
Beide Hände sollen gleichzeitig zusammenwirkend und koordinativ anspruchsvoll
ca schulterbreit greifend und dabei in symmetrischer Distanz zu den ganz neutral zum Segeldruckpunkt befestigten Trapeztampen platziert
gemeinsam dichtholende und fierende, dabei tastende und spürende Bewegungen durchführen. Nur diese Fahrtechnik führe zum echten Windsurfen und vermeide das Lernplateau des Stehsegelns als Segelhandfahrer.
Das sind interessante Ansätze und Beobachtungen von Claudio !
Dennoch stellt sich mir seit geraumer Zeit diese Frage: Geht ihr Geltungsanspruch zu weit bzw wird das Ideal zu eng und zu wenig inklusiv geschildert?
All diese grundlegende Fahrtechnik einerseits um im Gegensatz zum Segelhandfahrer das Segel quasi als Balancierstange zu verwenden und andererseits um mit einer volllaminaren Anströmung zu fahren. Dies erlaube dem Könner kleinere Segel zu fahren. Die anderen stellen ihr Segel suboptimal an, und bräuchten deshalb was deutlich Größeres (und nicht weil sie ganze Kerle wären). Kleinstmögliche Segel seien ein Zeichen für "Könner". Nur im Lehrbuch sah ich dazu eine Fußnote, die typischerweise überpowerte Riggs fahrende Racer doch etwas von diesem grundlegenden Tenor ausnimmt.
Blicke ich auf mein Lernen als Windsurfer und den Wandel bei den Vorlieben zurück, so stelle ich mir zwangsläufig die Frage, ob es eventuell mehrere Arten des Windsurfens gibt, ich etwas falsch mache (oder aber Teile der Beschreibung der zentralen Riggfigur eventuell verbesserbar sind).
Unter anderem Slalomfahrer fahren die Tampen weit hinten, deutlich hinter der neutralen Position und haben in der Folge spätestens ab angepowert die vordere Hand deutlich weiter von den (idR maximal faustbreit montierten) Trapeztampen entfernt, als deren Segelhand. Dies ua wegen Rake, Close the Gap, Überpower, ...) [Erst bei extremen Überpower und keiner Möglichkeit auf kleiner zu wechseln, schieben sie die Tampen quasi zum Überleben (ua von Böen) etwas nach vor.]
Auf der Suche nach Power (und Höhe) fahren sie das Rigg zudem mMn teilweise (geringfügig) etwas dichter als es die von Claudio als Ideal erklärte volllaminare Anströmung geböte. (Mehr Power und mehr Drag.)
BTW: Es gab eine Zeit, da fuhr ich verhältnismäßig (zu den Kolleginnen und Kollegen) sehr kleine Segel (auf Waveboards), aber gerade dort oft mit der Segelhand dicht an den Tampen. Und auch der Masthand relativ nah bei ihnen.
Ist hier eine vermittelnde Betrachtung zwischen beiden Zugängen/Fahrweisen möglich?
Performanceorientiertes (free-)racen und/oder slalomfahren wird ja keineswegs selten praktiziert, gerade auch hier im Forum.