Böen richtig einschätzen / mitnehmen

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  • Servus,

    als Böen-abhängiger Binnensurfer hab ich häufig das Problem, dass kurz bevor mich die Böe richtig packt eine Art Loch ist und ich Gefahr laufe nach Luv zu fallen. Wenn es dann losgeht ist werd ich fast übers Brett gezogen. Eigentlich kommt doch die Böe genau aus der Windrichtung und müsste mich doch eigentlich nur anschieben (bzw. ziehen) ?! Any Tipps wie man sich vorbereitet um die Kraft optimal mitzunehmen?


    Mitunter pfeift mir auch der Wind um die Ohren und es müsste eigentlich schon lange losgehen aber es passiert nix. Wie orientiert Ihr Euch auf dem Brett wo genau der Wind herkommt ?


    Besten Dank für jeden Tipp

    VG

    MB

  • Eine Bö kann man auf dem Wasser daran erkennen, dass die Färbung dunkler wird und die Oberfläche eine kleine Wellenstruktur zeigt.


    Wenn man von oben auf eine Bö schauen würde hat sie auf dem Wasser ungefähr die Form einer Hand.

    Daher musst Du beim Eintreffen der Bö etwas abfallen und Dich auf den stärkeren Wind fahrtechnisch einstellen, dann beschleunigt Dich die Bö ohne Sturz. Im Laufe der Bö kannst Du entlang der Fingerform langsam anluven und hast am Ende der Bö etwas mehr Höhe als vorher. Wenn Du darauf verzichtest kannst Du in der Bö nach dem Abfallen super Speed machen, hast aber viel Höhe verloren.


    Abfallen musst Du, weil durch die höhere Windgeschwindigkeit der Bö der scheinbare Wind spitzer in Dein Segel einfällt. Das wirkt dann wie Anluven.

  • Zu Punkt 1: Das ist, glaube ich, Erfahrung am jeweiligen Spot. Während ich am Homespot Dümmer trotz meines Gewichts eher früh ins Gleiten komme (außer mit dem modernen "Gleitverhinderungs-Shape, den ich letztes Jahr hatte), muss ich an fremden Spots, auch wenn sie dem Dümmer sehr ähnlich sind, immer das gleich große Material fahren wie die anderen.


    Wenn mir der Wind um die Ohren pfeift und es trotzdem nicht los geht, ist das meistens ein Winddreher, den ich nicht bemerkt habe. Dann ist man plötzlich am Wind und denkt man wäre immer noch auf Halbwindkurs.

  • Böen im Binnenland sind leider oft mit Winddrehern oder Verwirbelungen verbunden, drum geht oft paradoxerweise nix weiter, obwohl es ordentlich pfeift. Auch das mit dem kurzen Windloch (ein paar Sekunden lang) vor einer Böe kenn ich gut. Alles Erfahrungssache, man gewöhnt sich mit der Zeit daran und reagiert automatisch darauf...nur nicht die Konzentration verlieren...;)

  • Am See gibt es die verrücktesten Böen. Manche kommen auf dich zu, du siehst das Wasser vom Wind wegfliegen,

    und kurz vor dir löst sie sich plötzlich auf und man bekommt nur ein paar Rüttler ab.


    Damit ich bei einer plötzlichen Hammer-Böe nicht übers Brett gezogen werde, habe ich beim Dümpeln
    den hinteren Fuß bzw. die Zehen in der Schlaufe eingehakt.

  • Es ist manchmal wie verhext. Eine Bö kommt und richtet ordentlich Speed an, so heute, Razeburger See,


    andere Böen lassen einen verzeifeln, woher denn nun der Wind kommt, gerne bei kleineren Seen oder am Rande


    und weitere kündigen sich irdentlich mit dunklen Flecken an, und es kommt gar nichts ...




    wenn jedoch eine kleine sehr dunkle Fläche anrauscht, parke ich kurz das Segel im Wind ohne Segeldruck und setze mich diesem Stress net aus.


    :)

  • Naja, wie auch andere schon schrieben, ändert sich durch die Böe der scheinbare Wind teiweise nicht unerheblich.

    Ich versuche, den Druck im Segel immer auf dem Trapez zu halten. Problematisch wird es bei mir immer, wenn ich den Druck mit den Armen halte und trotzdem eingehängt bin. Von daher Tipp: Wenn Trapez dann ohne Arme oder nur die Arme ohne Trapez. So ist gewährleistet, dass dein Gewicht immer so viel wie möglich an der Gabel hängt. Bedingungen, die ständig von 0 auf 100 wechseln, sind aber natrülich immer blöd. Da wird immer eine Böe durchrauschen und die nächste kriegst du dann wieder. Wenn du Glück hast, hat dann der Kollege, der gerade noch mit schlecht kaschiertem, übelegenem Grinsen knapp an dir vorbeigeheizt ist, das gleiche Problem. Tipp hierfür: Genauso knapp vorbei und nicht hinsehen :) :) ...

  • Aloha,


    alles gute Tipps ! Danke.


    Ging das letzte Mal schon besser. Das Thema mit Armen statt Trapez hab ich auch immer wieder. Mit dem schönen Effekt, dass der Tampen einfach nach unten klappt sobald die Kräfte am Segel nachlassen sobald mal gleitet. Da kann man sich auch schön aufs Brett legen wenn man sich wieder einhängen will.


    Ich falle zudem einfach nicht genug ab weil ich Höhe sparen will.


    Deshalb Anschlussfrage: Wie tastet Ihr euch im Gleiten wieder an den Wind ran um die Höhe zurückzuholen ? Ich luve teilweise zu stark an und falle wieder aus dem Gleiten. Ist das Gefühlssache oder orientiert ihr euch auch optisch ?


    VG

    MB

  • Deshalb Anschlussfrage: Wie tastet Ihr euch im Gleiten wieder an den Wind ran um die Höhe zurückzuholen ? Ich luve teilweise zu stark an und falle wieder aus dem Gleiten. Ist das Gefühlssache oder orientiert ihr euch auch optisch ?

    Etwas von beidem. Natürlich auch abhängig vom Material, was man fährt. Und von der Windstärke. Aber generell siehst du ja die Kräuselung auf den Wellen, und dann weisst du auch, wo halbwind ist. Und man spürt es auch im Segel, auf welchem Kurs man unterwegs ist.

    Wichtig ist zu wissen, wann man an der Grenze ist. Deshalb fahr mal verschiedene Kurse bewusst ab und versuche zu spüren, wie sich das Segel und die Körperstellung anfühlen. Zudem versucht man natürlich immer relativ knapp am Wind zu fahren, also möglichst steiler Winkel, wo man immernoch gut fahren kann. Wenn du grundätzlich an diesem "Sweet spot" fährst, hast du immer genug Höhe um auch im Windloch wieder abzufallen und dadurch durchzugleiten.

    "Ich komme von einer Farm in der Wüste, wo es weit und breit keine Wellen gibt. Also, wenn ich Wave-Weltmeister werden kann, dann kannst du es auch, wenn du nur willst - Live your dream!!"

  • Ich finde, dass man es sehr deutlich an der Fußbelastung merkt, ob man zu weit anluvt oder zu wenig Wind hat.

    Wenn man zu angeluvt fährt oder zu wenig Wind hat, hat man fast nur auf dem hinteren Fuß druck. Entweder musst du weiter abfallen (zu weit angeluvt) oder dein Gewicht weiter in die Mitte (Windloch) verlagern.

    Beim Surfen außerdem ganz wichtig: Fixpunkte in der Landschaft setzen und diese immer wieder anpassen. In der Regel drehen die Winde zwar, allerdings meist nur in wenige verschiedene Richtung und meist an den selben Stellen vom See.

  • Deshalb Anschlussfrage: Wie tastet Ihr euch im Gleiten wieder an den Wind ran um die Höhe zurückzuholen ? Ich luve teilweise zu stark an und falle wieder aus dem Gleiten. Ist das Gefühlssache oder orientiert ihr euch auch optisch ?

    Ich habe vorhin vergessen zu erwähnen, dass ich Sitztrapezfreak bin ...


    Gefühl ist eine Sache, Revierkenntnis und Beobachtung der Windverhältnisse die andere. Ich habe schon immer am liebsten Landmarken. Am Homespot kennt man ja die Verhältnisse und weiß, wo man "hinzielen" muss und hat auch das entsprechende Gespür für die Wetterlagen.


    An fremden Spots schaue ich immer recht gründlich vorher, meist am PC, was so die Möglichkeiten sind. Google Maps und Windfinder sind die Mittel der Wahl. Ich brauche das, Andere wiederum nicht, wie ich weiß.


    Aber wenn das mit dem Gleiten richtig klappt und der Wind passt, ist Höhe eigentlich kein so großes Thema, wie ich finde. Die meiste Höhe geht bei mir fürs Halsen, bzw. ggf. Wasserstarten ;), drauf. Mein größter Horror an fremden Spots sind Untiefen. Wenn man am offenen Meer bei der Rückfahrt mal die Fahnen vom Nachbarhotel erwischt hat, ist das grundsätzlich heilbar :).

  • Hi, also grundsätzlich versuche ich immer 8-ten zu fahren. Also die Schläge zwischen den Halsen nutzen um die Höhe fürs Halsen zurück zu gewinnen.

    Es gibt schon einpaar Tricks wie Du leichter Höhe ziehen kannst, erstens die Finne sollte nicht zu klein sein, also zum Segel passen, zweitens, Du musst abfallen um ins Gleiten zu kommen, allerdings solltest Du Dir sicher sein, dass die jeweils dafür genutzte Böe auch ausreicht. Spare Dir Fehlversuche, wenn Du schon erkennen kannst, das es nur ein kleine punktuelle Böe ist. Du wirst sonst nur Höhe vernichten.

    Sobald Du es geschafft hast ins Gleiten zu kommen, gibts zwei ganz wichtige Punkte, so schnell es geht in die Schlaufen und richtig dicht holen. Erst Dann änderst du den Kurs auf am Wind. Die meisten Leutz die Probleme mit dem Höhe halten haben holen weiterhin nicht richtig dicht. Dadurch verschenkst Du Wind und fährst meistens nur leicht halbwinds. Ist der Wind stark genug klappt i.d.R. Höhelaufen auch so, aber eben nicht wenns knapp über der Gleitgrenze bläst. Stehst Du in den Schlaufen und hängst im Trapez, versuche mal Dein Becken und Oberkörper in Fahrtrichtung zu drehen. Damit verkürzt Du automatisch die Tampenlänge etwas und übst Druck auf den Mastfuß aus. Wichtig auch, dadurch streckt sich der Mastarm und der Segelarm macht fast automatisch dicht. Wenn Du es noch forcieren willst, dann belaste jetzt die Lee-Kante Deines Boards (ohne die Richtung zu ändern) und stelle es etwas an. Damit erreichst Du nahezu mit voller Geschwindigkeit Höhe zu ziehen und gehst extreme Winkel. Beachte dabei das vordere Bein bleibt gestreckt.

    Hilfreich ist übrigens dabei auch die Mastfuß-Position etwas weiter vorne zu wählen (damit gleitest Du auch leichter an). Auch die Gabelhöhe ist etwas höher als bei gutem konstantem Wind, anstatt Schulterhöhe, darf es Augenhöhe oder Stirnhöhe sein. Prüfe auch mal Deine Trapeztampen, ob sie ev. nicht zu weit vorne an den Holmen angebracht sind. Für böige Verhältnisse bleibe ich fast immer eingehakt, zum ausgleichen kannst du einfach mit dem Haken im Trapeztampen "hin und her rutschen" ohne auszuhaken. Dazu macht es wiederum Sinn die Tampen mit etwas Abstand an die Gabel zu montieren und nicht zu lang zu wählen.

    Umso aufrechter Du überm Board stehst umso besser kannst Du reagieren und umso leichter geht es mit dem Höhelaufen.

  • "...und man spürt es auch im Segel, auf welchem Kurs man unterwegs ist."


    ja, Sheshe, das kenne ich auch. Das Windrad in der Nähe zeigt nach A, die Fahne des Bootes nach B und mein Segel steht in der Bö plötzlich IM WIND - wie kann das sein ? Also dem Segel vertrauen. Zumeist muss man zuerst abfallen, bis man wieder ein normales Gefühl hat. Was interessieren mich dann die Windanzeiger oder die Windrichtung 10 Sekunden zuvor ...


    :)

  • Ich orientiere mich eigentlich nur an meinem Startplatz und versuche davon immer etwas in Luv zu bleiben, wenn das Revier es erlaubt.


    Zum An Wind Surfen üben sind Bojen oder Landmarken gut um den Kurs zu halten. Viele "lassen es lieber laufen " statt konsequent An Wind zu bleiben und wundern sich, warum sie keine Höhe gewinnen.


    Wenn Du die Gelegenheit hast mach doch mal bei einer Club oder Spassregatta mit, da hat man feste Ziele, die man erreichen sollte, kann bei den anderen was abschauen und ist auch motivierter als beim freien Surfen, in Summe lernt man so schneller und mehr.

  • Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür und weiß instinktiv, wo der Wind herkommt. Ich muss gar nicht

    drüber nachdenken. Den Großteil macht wohl das Wellenbild aus und den scheinbaren Wind spüre ich im Gesicht

    und beim Surfen im Segel. Ganz leicht gegen die Wellen surfen ergibt dann zusammen mit der Abdrift einen halben Kurs,

    also 90 Grad zum Wind.