Wenn man sich das von letzter Nacht anguckt kann ich nur sagen: next step Foil Wave.
Moin in die Runde,
das vorweg: Der Kommentator, den find ich super! Der weiß erkennbar sehr genau, wovon er da redet, wenn er das Geschehen auf dem Wasser kommentiert. Und er bringt das gut auf den Punkt, worum es da geht. Macht Spaß, zuzuhören!
Und bezüglich der Kommentare hier im Forum, wenn ich hier mal eine andere Perspektive anbieten darf, aus der man das Geschehen auch betrachten kann:
Was ich da am 26. / 27. Oktober sehe ist Windsurfen der fahrtechnisch ganz ganz feinen Art! Ein Wettkampf sozusagen mit dem Florett gefochten! Fängt mit der Materialwahl an, das hat ja auch der Kommentator erwähnt:
Ein Problem ist, dass es bei solchen Bedingungen ein Qualitätsmerkmal ist, auf der Welle, wo man das will, dann auch ins Gleiten zu kommen. Und dass man dann im Ergebnis auch immer tatsächlich die Welle abreiten kann, die man sich dafür eigentlich ausgesucht hatte. Da hat erkennbar so manch einer der Pros dort dann sein Board nicht ins Gleiten bekommen, wo er das auf der betreffenden Welle eigentlich vor hatte und die betreffende Welle ist ungerührt unter ihm durchgerollt (ich kenne solche Situationen nur zu gut, da ärgert man sich dann zu Tode, insbesondere, wenn das ´ne richtig große, schöne Welle war...
). Bedeutet, dass man sich mit dem Wissen um diese Problematik dann gern ein etwas größeres Segel und das höhervolumige Board auswählt. Wenn man dann aber auf der Welle mit dem großen Zeug am Gleiten ist, wäre ein kleineres Segel und ein geringvolumigeres Board dann eigentlich doch besser...
und so wird schon die Materialwahl zu einem echt kniffeligen Balanceakt. Oder anders ausgedrückt, wer mit kleinem Zeug dann doch meist gut auf den Wellen, die man sich ausgesucht hat, ins Gleiten kommt, kann dann eben seine Wellenritte mit viel mehr Schnitt in die Brecher schnitzen... was ja letztendlich die Punkte bringt. Der Rödiger z.B. parkt da ziemlich kleines Geraffel raus ins Lineup... fahrtechnisch sehr gekonnt und auch ´ne taktisch bemerkenswerte Leistung, wie der es trotzdem immer schafft, die richtigen Wellen zu erwischen. Hat auch was mit der zeitlich passenden Positionierung im Lineup zu tun. Also zur richtigen Zeit an dem Ort zu sein, wo die Wellen dich besser mitnehmen, weil sie schon steiler geworden sind! Aber trotzdem irgendwie der Erste auf der betreffenden Welle zu sein... sonst gehört sie ja schon wem anders... ![]()
Manchmal sieht man ganz verblüfft, dass ein Fahrer auf einer eigentlich echt guten Welle plötzlich wieder aussteigt. Das kann dann den Grund haben, dass der Wind, der an diesem Tag erkennbar deutlich in seiner Stärke schwankte, was aber klassisch für Tage wie diese ist, so stark nachgelassen hatte, dass es taktisch unklug gewesen wäre, Höhe mit einem Wellenritt zu verlieren, ohne - mangels hinreichend Wind - die Chance für Turns mit einigermaßen Schnitt zu haben. Da steigt man dann lieber aus und macht ´nen neuen Anlauf. Denn für einen wirklich gut gecarvten Wellenritt brauchst du bei solchen Bedingungen eine gute Welle und der Wind muss grad vergleichsweise etwas stärker wehen, darf zumindest nicht grad nachlassen. Das macht man so auch als erfahrenerer "Normalo", ohne dass ein Wettkampf stattfindet.
Das ist also superviel Taktik, bezogen auf den Wind auch etwas Intuition im Spiel, bei solchen Bedingungen, neben der Fahrtechnik.
Ein zweites fahrtechnisches Problem liegt bei Bedingungen wie diesen in der Schwierigkeit, dass man die Energie für das Carven in den Turns deutlich mehr aus der Energie der Welle heraus generieren, also deutlich mehr "surfen" muss, weil das in nur geringem Maß aus dem Segel heraus möglich ist. Oder anders gesagt, bei mehr Druck im Segel kann man den ja in Kantendruck umsetzen. Bei Bedingungen wie diesen geht das - auch wenn du grad ´ne "Böe" erwischt hast - nicht wirklich gut, was fahrtechnisch eine besondere Herausforderung bedeutet, insbesondere beim Cutback. Das muss man gezielt trainieren, weil das extrem technisch ist, die Turns trotzdem mit Schnitt und Spray zu fahren oder mal vertikal hoch in die Pocket carven oder vielleicht aus der Welle zum Airial o.ä. abzuspringen. Mich wundert nicht, dass sich da diesbezüglich Marcilio so gut macht. Ich habe mir mal erzählen lassen, dass er sehr klug, konsequent und umsichtig sein Training konzipiert. Der hat das fleißig trainiert, könnte ich mir vorstellen.
Ich fahre regelmäßig in Bedingungen wie diesen und die zählen zu den besten Tagen des Jahres! Meist sind die Brecher aufgrund des geringen Windes sehr clean und ich liebe die fahrtechnische Herausforderungen sehr, mit diesen Bedingungen klar zu kommen, dort dann trotz der Schwierigkeiten schöne Turns in die Brecher zu zaubern oder es zumindest zu versuchen.
Das sind schon auch Bedingungen, die für "Normalos" sehr selektiv sind, eben weil da viel Erfahrung, Taktik und Fahrtechnik erforderlich ist, um das was zustande zu bekommen. Und wie ich nun in diesem Wettbewerb beobachten kann, ist das auch für die Pros ziemlich selektiv. Weil das, was man da an Leistungsunterschieden sieht, klafft schon erstaunlich weit auseinander. Hätte ich so nicht erwartet...
Also, zusammengefasst. Ein m.E. sehr interessanter, weil in vielerlei Hinsicht hoch anspruchsvoller und infolge dessen sehr schön anzusehender Wettkampf!
Aloha
Claudio