Posts by Windsurfingmarkus

    Hi zusammen,


    das wäre dann meine Windsurf-Biografie Teil 1 - endet erstmal bei Sunset Slalom. Vielleicht gefällts dem einen oder der anderen....



    Der Sommer 1976 muss ein sehr heißer Sommer gewesen sein. Mein Vater war vor zwei Jahren verstorben und meine Mutter wollte ihrem zwölfjährigen Sohn an den Wochenenden immer etwas bieten. So ging es also jeden Samstag in die Berge. Irgendwann muss ich wohl meinen Unmut geäußert haben und meine Mutter hatte angesichts der Temperaturen Einsicht. Nur an den See und rumliegen kam aber für eine aktive 50 Jährige auch nicht in Frage. Der Tipp mit dem Surfkurs kam von einem Bekannten meiner Mutter, der da etwas ganz tolles Neues für dich entdeckt hatte. Also ging es an einem Wochenende an den Pilsensee zum Surfkurs mit „VDWS-Diplom“. Heute ist die Schrift auf dem Schein komplett verschwunden, das Formular ist wieder leer und ich muss wohl noch mal einen Kurs machen.

    Die Schule am Pilsensee wurde vom „Surf-Kramer“ in Oberalting betrieben, die Namen Dieter Siara und Wolfgang Windhager sind mir noch in Erinnerung. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob dieser Kurs Fluch oder Segen war. Damals war der Virus jedenfalls vom ersten Moment eingepflanzt. Ob mich meine Mutter auch zum Kurs angemeldet hätte, wenn sie vorher gewusst hätte, wie das die Gestaltung der Wochenenden in den nächsten Jahren beeinflussen sollte?

    Nach dem Kurs wurde dann tatsächlich ein Brett beim Surfkramer gekauft. Viel Auswahl gab es noch nicht. Ich glaube es gab nur den ersten Windglider (Spiegelei, weiß mit großer ovaler gelber Standfläche) und den weißen Windsurfer (die ersten Modelle waren gelb?). Sogar beim ersten Kauf war schon die Faszination der Entwicklung des Sports zu spüren: Die Teakholzgabel wurde gleich gegen den leichteren Windglider.Gabelbaum ersetzt. Der war für die Vorfahrtsregeln auf einer Seite rot und auf der anderen grün…so mancher Zeitgenosse könnte so eine Gabel heute auch gut brauchen. Das Segel war auch etwas besonderes: Mit dem Original Einheitssegel wäre ich größenmäßig überfordert gewesen und es gab ja schon die ersten „Sturmsegel“: Mast und Gabel blieben unverändert, zwischen Masttop und Schothorn war großzügig ausgeschnitten. Schwarz/hellgrün-gestreift – ein Hingucker.

    So verbrachten wir den Sommer 1976 praktisch jedes Wochenende am Pilsensee und ich durfte dann auch meiner Mutter und meinem 16 Jahre älteren Bruder meine Kenntnisse weitergeben. Was dann zur Folge hatte, dass wir 1977 mit zwei Ten Cates auf dem Dach zum Pilsensee fuhren. Nett war auch eine sogenannte Gaudiregatta am Pilsensee, die glaube ich auch von der Surfschule ausging. In der Regattastrecke war ein Anlegen inbegriffen, bei welchem auch ich als wahrscheinlich jüngster Teilnehmer einen Schnaps kippen musste….Heute wahrscheinlich undenkbar.

    Im Frühjahr 1977 hatte ich Firmung und bekam von der Oma ein Abo des „Windsurfing Magazin“ geschenkt. Von da an war der Tag, an dem die neue Ausgabe im Briefkasten steckte, der wichtigste Tag im Monat.

    Der gleiche Bekannte meiner Mutter, dem ich meine Surflaufbahn zu verdanken hatte, erzählte ihr auch vom Surf-Mekka Gardasee, wohin wir dann auch tatsächlich gestartet sind. Ziel war irgendeine Pension vor Malcesine. Das Wetter war miserabel und wenig Wind – von der Faszination Gardasee war nichts zu spüren. Das nächste Mal war ich erst wieder mit 16 am Gardasee. Meine ältere Schwester hatte einige Bekannte, die das Hotel Capo Reamol für sich als Surf-Basis entdeckt hatten und ich durfte mit. Inzwischen konnte ich meine Mutter überzeugen, dass der neue Mistral Competition wesentlich besser sei als unsere mittlerweile bereits veralteten „Windsurfer“ – trotz Tuning mit Sturmschwert und einstellbarem Mastfuß. Leider erkannten das auch andere und gleich am zweiten Tag stand ich morgens fertig gerichtet mit Neo und Trapez vor einem Surfständer am Hotel, in dem mein Brett leider fehlte – komplett samt Rigg. Das Segel war auch noch eine Anfertigung einer Starnberger Segelmacherei: Ganz in orange, mit großem dreieckigen Fenster – abgeschaut von einem Foto aus dem SURF-Magazin. Geblieben ist mir noch das dazugekaufte „Sturmschwert“ des Mistral. Heute ist es bei uns als Schlüsselbrett an der Haustüre im Einsatz. Damals am Gardasee war auch ein Bäcker dabei, der seinen Ten Cate zum Aufbiegen in den Backofen geschoben hatte. Ergebnis war ein Wahnsinnsscoop, aber eben nur auf den ersten 50 cm. Meine eigenen Bemühungen beschränkten sich mangels Backofen auf stundenlanges Beschweren mit Wassereimern in der prallen Sonne. Gebracht hat es, glaube ich, nichts. Die Unterschneiderei war aber mit dem Mistral Competition sowieso Vergangenheit. Auf jeden Fall durfte ich bei diesem Aufenthalt dann auf einem selbstgebauten Brett (nach Vorlage Speed-Machine aus der surf) eines Bekannten meiner Schwester Funboard-Luft-Schnuppern. Ein Schlüsselerlebnis. Die Versicherung zahlte den Diebstahl des Mistral damals und der gute Competition war auch schon wieder überholt: Getestet wurden in der surf jetzt die Serien-Funboards (Ausgabe Mai 1981). Das „Sailboard-Fun“ war super getestet, also… Damals hatten aber offensichtlich die Bretter, die zum Testen gegeben wurden, wenig mit den tatsächlichen Serienbrettern gemein. Das Teil war gefühlt nur unwesentlich leichter, als der Competition. Der Shape hätte wohl schon funktioniert, aber Wind hat es auf unseren Bayerischen Gewässern wie man weiß eher wenig und um so ein Schwergewicht (das Brett) ins Gleiten zu bekommen braucht es schon einen ordentlichen Hack. In dieser Zeit liegt wohl der Untergang des Surfens als Breitensport: Tourensurfen funktionierte mangels Schwert nicht mehr, zu zweit auf dem Brett auch nicht mehr, „Tricksurfen“ ebenso nicht, die Zeit an Land verlängerte sich und musste mit warten auf Wind verbracht werden. Das Sailboard brauchte wirklich viel davon und ob auf dem „Volksgleiter“ Hifly 444 jemals jemand im gleiten war bezweifle ich. Ein Freund hatte so ein Teil… Zu der Zeit hatte ein anderer Freund einen Klepper S5, eines der ersten Pintails. Sehr lang, aber auch schnell. Aber zurück zum Sailboard: Nach kurzem wurde die Unterseite weich, und Surf-Kramer, mittlerweile schon in der Lindwurmstraße in München, tauschte das Brett nach einigem hin und her aus. Das blieb aber nicht das einzige Mal: Nachdem das dritte Exemplar weich wurde, hatte der Laden gerade eine Lieferung mit einigen Brettern von „Windtoys Hawaii“ des Shapers Charlie Wong bekommen. Traumhafte Customs, die wie Kunstwerke im Laden lagen – mit „Doublewinger-Swallowtail“ und Thruster-Finnen. So nebenbei: Als ich mir bei meinen vielen Besuchen beim Surfkramer mal wieder die Traumbretter angesehen habe, holte Raimund Harmstorf („Der Seewolf“) grade ein Surf Line Sylt Board ab. Das Windtoys war drei Meter lang, mit drei Finnen (Thruster) und im Vergleich zu den damaligen Serienbrettern ein Fliegengewicht mit seinen ca. 12 kg. Das Brett habe ich noch und hängt heute im Wintergarten an der Decke. Das Board steckte in einer Stoffhülle auf einer Art Frottee-Stoff, was mir bei Freunden neidvollen Spott bescherte: Die Ähnlichkeit mit einem Schlafanzug war durchaus gegeben. Boardbags gab es damals noch nicht und so gewährt diese dünne Umhüllung wenigstens etwas Schutz. Preislich waren diese Board damals eigentlich für mich nie in Frage gekommen, das Windtoys kostete 2900.- DM – ohne Finnen. Nur der nachträglich als glücklich anzusehende Umstand, dass das Sailboard zum dritten Mal zum Garantiefall wurde ermöglichte es meine Mutter davon zu überzeugen, dass es überhaupt keine Alternative mehr zu dem Custom Board gäbe. 1982 waren meine Spezl und ich dann mit 18 Jahren zum ersten Mal mit dem VW-Bus in Griechenland. Vier Teenager, gerade 18, ein Hifly 444, ein Klepper S5 und der Windtoys Hawaii und der VW Bus mit 54 PS.

    Das Windtoys-Board hat mir viele tolle Surftage gebracht.

    Die aktive Zeit ging allerdings für das Brett bei einem Sardinienaufenthalt dann zu Ende. Ein Spezl und ich waren zum ersten Mal in Porto Pollo und trafen dort zufällig meinen Ex-Schwager Günter, der Besitz eines F2 Sunset Slalom war. Den durfte ich ausprobieren und damit war die Ära Windtoys Hawaii beendet, der der Sunset war fast halb so schwer und vom Shape her einfach eine neue Welt.

    Auf dem Januar-Bild des surf-Kalenders 2024 ist Josh Angulo beim Worldcup 2022 auf Sal zu sehen. Mit schöner großer Single Fin in der Luft. Ganz so verkehrt kann das ja dann wohl nicht sein. Würde mich gar nicht wundern, wenn die Single Finne marketingtechnisch demnächst wieder salonfähig werden würde.

    Das verstehe ich jetzt nicht. Warum sollte die Singlefinne im Flachwasser weniger Kontrolle haben? Das hängt wohl stark von Größe und Art der Singlefinne ab, oder?

    Hallo zusammen,

    ich fahre meinen Thommen/Flikka in Dyneema-Bauweise mit Single-Fin jetzt zehn Jahre. Ein tolles Brett. Die Maße sind allerdings im Vergleich zu aktuellen Shapes "Old-School":

    Länge 2,44; Breite 59,5cm; 95L. Das ist noch nicht ganz so "Old" wie ein Mistral Flow, aber eben auch schon älter.

    Was meint ihr? Verpass ich was, wenn ich bei meinem Thommen/Flikka bleibe? Lohnt sich ein Umstieg auf z.B. einen Starboard Code? Danke für Meinungen....

    Eine Überlegung hätte ich noch: Heute würde ich für Anfänger einen Windsurfer LT kaufen und auch behalten. So ein Schwertbrett macht auch bei fortgeschrittenem Können noch Spaß als SUP, Badeinsel, zur nächsten Insel rübersurfen, zu zweit auf dem Brett Ausflüge und und und......

    Servus. Also unseren beiden Töchtern habe ich das windsurfen im wesentlichen selber gelernt. Angefangen haben die beiden mit ca. 9 Jahren. Ergänzt durch einen Kurs mit gleichaltrigen Freunden am Gargano (Spiagga Lunga). Da habe ich mir abgeschaut, dass es gut funktioniert, wenn man das Brett mit dem Kind mit einer ca. 3-4m Leine am eigenen Brett befestigt (Hintere Fußschlaufe). So kommt niemand abhanden und die Steuerung des Lernenden wird unterstützt. Ein Problem ist, dass ein großes Lernbrett nur sehr zögerlich auf Steuerbewegungen mit einem Minisegel reagiert. Ein großes Brett mit Schwert und leichtem Kindersegel ist Pflicht. Ich habe nur den Fehler gemacht, dieses wieder verkauft zu haben, nachdem die Kinder für ein kleineres Brett geeignet waren. Heute hätte ich das Brett gerne wieder. Das war ein sehr cooler Roberto Ricci mit Schwert. Als nächstes kam dann ein JP Young Gun, erst mit Mittelfinne, dann ohne. Dann auch wieder verkauft. Da sind die Kinder dann schon mit meinem 4.0er gefahren. Als Surfschulen kann ich die am Gargano (Cala Azzurra) empfehlen. Perfekt zum Lernen für Kinder ist auch ein Kurs am Hotel Capo Reamol am Gardasee. Super Lernmaterial, perfekte Windbedingungen. Bei abflauendem Nordwind wird gestartet, bei Windwechsel auf Süd eine halbe Stunde auf dem Wasser zusammengesessen, und mit dem ersten leichten Südwind geht´s wieder zurück. Perfekt. Und nette Leute beim Planet Allsports am Capo.

    Wir waren die letzten Jahre zweimal über Ostern auf Sardinien. Das dürfte der Situation Ende Oktober entsprechen, nur mit kälterem Wasser.

    Die Campings in Vignola, der Selema in St. Lucia und Capo Ferrato hatten offen, auch der große in Alghero. Restaurants und Trattorien hatten bis auf die 100%-Touristengebiete alle offen - das Leben für die Einheimischen geht ja schließlich auch weiter. Die Weingüter haben auch alle auf. Ende Oktober ist sicher eine super Zeit!