Posts by Benni2002

    Ja, Speedaholic, es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben. Windglider (auf dem Schwebebalken hast Du eine ganze Familie untergebracht ? ;) ) und TC Windsurfer waren damals "State of the Art"-Imagebretter und entsprechend teuer. Aber es gab hier im Süden Einsteigerangebote: HiFly komplett segelfertig incl. Long John für 999 DM. Im Shop. Das hat dem Windsurfen viel Schub gebracht. Und wer dabeiblieb, hat dann irgendwann mal z. B. bei Herrn Ostermann oder bei Tencate zugegriffen.


    Wer will, kann auch heute relativ günstig einsteigen. Aber das weiß kaum einer, denn das günstige und gleichzeitig brauchbare Material ist wirklich nicht das, was Hersteller und Händler in den Fokus stellen. DAS ist der Punkt. Wenn man heute - im Gegensatz zu früher - allgemein mehrere Sportarten parallel betreibt, spielt doch eigentlich der Einstiegspreis eine noch größere Rolle als früher, oder?


    Wer früher gleich beim Einsteig schon nicht auf den Pfennig und jetzt nicht auf den Cent schauen muss - super.

    Schön, dass in dem Thread auch ein paar gute Vorschläge und schon praktizierte gute Beispiele genannt werden. Was aber überwiegt, ist der Pessimismus. Obama (yes we can) würde bei uns Windsurfern auf Granit beißen.


    Was ich hier oft lese, ist genau das, was auch die „Branche“ behauptet: Geht nicht, ist zu kompliziert, die anderen sind Schuld, wir können ja nichts machen …


    1. Windsurfen ist zu teuer


    Jein. Das, was uns die Hersteller zurzeit größtenteils verkaufen (wollen), ist für Einsteiger und Gelegenheitssurfer zu teuer. Aber: Es gibt auch preiswerteres Material, wirkliche Spitzenqualität, hervorragend geeignet für über 70 % aller Windsurfer. Aber das wird in die „Bäh“-Ecke gestellt. Von den Herstellern, den Händlern, von uns Windsurfern selbst. Lösung: Preiswertes Material in den Mittelpunkt stellen! Ich weiß, es ist zwar nur ein ganz ganz kleiner Schritt zur Fokussierung auf günstiges Material, aber wir haben im Testjahrbuch z. B. die vorgestellten Produkte nach Listenpreis sortiert und nicht nach Alphabet. Wäre schön, wenn schon viele Leute gleich vorne in jeder Kategorie hängen blieben.


    2. Windsurfen ist zu wetterabhängig


    Ja! Gott sei Dank! Wenn bei uns die Gelegenheitssurfer aufs Wasser gehen (Juni bis August), ist meist schönes Wetter. Ist es nicht toll, mit (wenig) Wind und Wasser zu spielen anstatt vor dem PC zu sitzen? Und wenns regnet? Sitzt man zusammen bei Kaffee/Bier und fachsimpelt. Was machen Wanderer, Tennisspieler, Hobby-Fußballer, Drachenflieger, Biker, Skifahrer bei Regen? Überraschung: Sie sitzen zusammen bei Kaffee/Bier und fachsimpeln ...


    3. Windsurfen ist zu windabhängig


    Nein. Wir haben uns nur das falsche Material und die ausschließlich für dieses Material passende innere Einstellung verkaufen lassen. Old-School-Tricksurfen geht bei 2 Bft, und wem das zu langweilig ist, versucht das Gleiche mal auf einem 90 Liter-Board ... Wer lieber Seemeilen zurücklegen will, nimmt sich ein Dickschiff (gern auch ein älteres, das fährt bei 2 Bft. besser als die meisten neueren) und dümpelt damit genauso schnell wie ein Kajüt-, Tret- oder Elektroboot übern See, kann abends aber im Gegensatz zu den Bootskapitänen sagen: Ich hab was für mich getan. Und wenn mal wirklich gar kein Wind weht? Dann tun wir einfach so, als ob es regnet, und schon wissen wir, was zu tun ist (s. o.).


    4. Windsurfen ist schwer zu lernen


    Nein. Das (einfache) Hin- und Herfahren mit Trippel-Wende bei wenig Wind geht – ein gewisses Gleichgewichtsgefühl vorausgesetzt – nach einem Tag und ist damit genauso leicht zu lernen wie (leichtes, einfaches) Mountainbiken. Skifahren (einfache Schwünge) und Tennis (einfache Ballwechsel) sind deutlich komplizierter und anspruchsvoller für das Koordinationsvermögen. Trotzdem gibt es mehr Tennisspieler und Skifahrer als Windsurfer. Wer mehr als nur „einfache“ Sachen machen will, muss – wie in jeder Sportart – Schweiß und Mühe und Zeit investieren und wird mit tollen Erfolgserlebnissen dafür belohnt. Übrigens: Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe aus allen vier Sportarten Lehrerfahrung. Und ich rede davon, den Sport unter qualifizierter Anleitung mit anfängergeeigneter Ausrüstung zu lernen. Alles andere ist Dummheit – und zwar in jeder Sportart.


    5. Windsurfen ist zu aufwendig


    Nein. Was machen Wanderer, Bergsteiger, Segler, Skifahrer … Sie steigen ins Auto und müssen irgendwohin fahren. Wir auch. Ruft da einer: Wir brauchen aber viel Ausrüstung? Was brauchen Taucher, Drachenflieger, Wildwasserfahrer und und und …? Genau!


    6. Windsurfmaterial ist sperrig und kompliziert


    Jein. Mountainbikes, Rennräder und Kanus werden auch meist auf dem Dach transportiert. Okay, wir können nicht mehr das Segel einfach um den Mast wickeln wie früher. Dafür haben wir keinen Stopperstek mehr und Bretter, stabil wie Bohrinseln anstatt Schwebebalken. Es gibt sehr kompliziertes, sensibles Windsurfmaterial. Es gibt aber auch einfaches, robustes Material, aber das wird in die „Bäh“-Ecke gestellt. Von den Herstellern, den Händlern, von uns Windsurfern selbst. Lösung: Einfaches Material in den Mittelpunkt stellen! Hört sich so wie oben Punkt 1 an? Jau, soll es auch!


    7. Windsurfen wird als Extremsport verkauft


    Ja. Na und? Das, was uns auf Fotos, in Reportagen oder Titelbildern von Felix Neureuther und Maria Riesch, von Freeskiern, von Roger Federer, von Michael Ballack oder den Extrem-Bikern dauernd gezeigt wird, hat auch nichts, aber wirklich überhaupt nichts mit dem zu tun, was ein Hobby- oder Vereinssportler am Wochenende in genau der gleichen Sportart treibt. Aber sind die Fotos nicht trotzdem eine Augenweide? Eins ist richtig: Die Belange der Hobbysportler werden in vielen Special-Interest-Sportzeitschriften besser bedient als bei uns im Windsurfen. Wir haben im WJ ein paar mal das Thema „Longboarding“ aufgegriffen. Okay, sowas könnte öfter kommen … Und ein Titelbild mit einem Dreikäsehoch, der auf seinem Board einfach nur strahlt, fände ich auch nicht schlecht …


    8. Familie muss mitspielen


    Genau! Ist doch super! Da hat man doch wieder mal ein Thema – so oder so. Und habt ihr schon mal nachgerechnet, was ein Skiwochenende für eine vierköpfige Familie kostet? Oder die Tennisklubfamilienmitgliedschaft in einer Großstadt? Oder ein Familienwochenende im Erlebnispark? Da ist der Surfausflug doch ein Angebot!


    9. Zu wenig Öffentlichkeitsarbeit, PR, Lobbyismus, TV-Time fürs Windsurfen


    Genau! Aber da kann man nicht drauf zu warten. Hoch den Arsch! Jeder an seinem Platz! Nicht immer: „Die Anderen“ sollen mal …Wir z. B. reißen uns den Hintern auf, um Euch ein interessantes, lebendiges Mag abzuliefern. Und ihr? Gibt’s in eurem Bekannten- und Kollegenkreis etwa noch einen, der noch nicht weiß, was Windsurfen für ein toller Sport ist? Oder lamentiert ihr da genauso rum wie hier im Forum?


    10. Das Verhalten mancher Windsurfer ist abschreckend


    Jawohl! Lokalismus, Egoismus, Protzerei, Rücksichtslosigkeit … wie im richtigen Leben. Auch hier: Arsch hoch. Etwas Zivilcourage, selber ein gutes Vorbild sein, zusammenhalten und gegenseitige Unterstützung unter den „Gemäßigten“ – irgendwie werden wir diese Plagegeister, die sich selber leider so cool finden und uns allen schaden, schon los!


    Was bleibt? Nicht jeder ist geeignet fürs Windsurfen (Gleichgewichtsgefühl oder andere körperliche oder seelische Einschränkungen), es gibt ein paar unverbesserliche Couch-Potatoes, es gibt die Ich-will-nur-totale-Action-Fraktion, die gelegentliches Schwachwindsurfen nicht ab kann, und nicht jeder hat Lagerplatz für seinen Stuff. Okay. Bleiben übrig in Deutschland – lasst mich kurz rechnen – äh, (ich bin immer noch am rechnen) … Mensch, das sind ja ganz viele …

    Ich habe gerade mal nachgerechnet: :rolleyes: Absolut sind es drei Liter Unterschied.



    3,4% Toleranz, oder +-1,7% wäre eine gute Messtoleranz. Das merkt niemand in der Praxis. Wäre der Unterschied zwischen Süßwasser und Salzwasser.


    Das sehen sehr leichte Windsurfer auf Brettern kleiner als 100 Liter aber ganz anders. Auch die, die mit ihren ihnen gut vertrauten Boards häufig zwischen Süß- und Salzwasser wechseln.

    Das mit den "erstaunlichen" Werten kann man auch anders, nämlich an diesem Beispiel sehen :rolleyes:


    surf 4/2007 Fanatic Freewave 86: 84 Liter
    surf 3/2008 Fanatic Freewave 86 (absolut unveränderter Shape, nur andere Bauart/200 Gramm leichter): 87 Liter


    Nur vorsorglich, falls jemand auf die abweichenden Längen-/Breitenangaben stößt: 2007 wurde für Länge und Breite die Herstellerangabe ins Heft übernommen, 2008 wurde selbst gemessen. Gewicht und Volumen wurden in beiden Jahren von der surf selbst ermittelt.

    Hi Kris,


    Deine Überlegungen halte ich für sehr zutreffend. Es machen sich Gott sei Dank noch viele Leute um die Zukunft des Windsurfens bei uns in Deutschland meist vernünftige Gedanken.


    Ich habe vor einiger Zeit eine Kolumne verfasst (erscheint voraussichtlich im nächsten WJ), die zu einer ähnlichen Analyse kommt und dann „radikale“ Lösungen vorschlägt (Kolumnen sind dazu da, um zu überzeichnen und zu provozieren).


    Es ist vollkommen in Ordnung, dass Hersteller (und andere im Windsurfbusiness Involvierte) nicht nur Geld verdienen, sondern auch von Jahr zu Jahr wachsen und ihren Marktanteil ausbauen wollen. Aber dieses Ziel wird derzeit erreicht bzw. versucht zu erreichen, indem immer weniger Windsurfern immer hochwertigeres Material angeboten wird. Stattdessen oder zumindest parallel sollte man versuchen, wieder „massenkompatibles“, d.h. einfaches, preiswertes Material, das einfach Spaß macht, unters Volk zu bringen. Das Angebot wird vom „Volk“ immer weniger angenommen, viele Windsurfer wandern ab. Niemand bemüht sich, einfaches, preiswertes Windsurfen populär zu machen.


    Aber wir sollten nicht den Herstellern allein die Schuld für die Fehlentwicklung in die Schuhe schieben. Wenn ich nur mal an uns Windsurfer selbst denke: Elitedenken (sich schon durch Äußerlichkeiten vom „Normalwindsurfer“ oder Einsteiger absetzen), Technikorientiertheit (ich denke da an den Materialfetischismus, nachzulesen in jedem Windsurfforum, vor allem aber in den deutschen), Leistungs-/Wettkampfdenken selbst beim Feierabendsurferchen auf dem Baggersee (… den verheize ich auch noch). Das gäbe genug Stoff für weitere Kolumnen. Mal sehen …


    Bernd

    Das hier ist mein allererster Beitrag im Forum, deshalb sage ich erstmal ein herzliches „Hallo“ an alle Forumsteilnehmer, und ein ganz besonderer Gruß geht nach Kiel an meinen Chef Alexander, denn ich sitze nicht in den Redaktionsräumen im hohen Norden, sondern alleine im wilden Süden.


    Ich bin zwar „nur“ für den reinen Textteil zuständig, trotzdem mische ich mich mal in eine technische Diskussion ein.


    Vorweg: Ich habe auch keine Lösung, aber ein paar Anregungen und hoffentlich weiterführende Fragen an diejenigen, die Ahnung haben.


    1. Wenn zur Volumenermittlung das Eigengewicht bei der Tauchmethode eine Rolle spielt, dann müssten doch bei den Shapes, die in unterschiedlichen Technologien angeboten werden, je nach Bauart auch unterschiedliche Volumina herauskommen. Ist aber lt. Prospektangaben sämtlicher Hersteller nicht so. Sind Gewichtsunterschiede von rd. 500 Gramm vernachlässigbar oder ist man einfach nur zu faul, die Werte für Economy-, Standard- und Pro-Version getrennt zu ermitteln?
    2. Die Finne gehört m E. unbedingt ans Board, wenn es um Volumenermittlung geht. Denn sie ist (außer bei Sprüngen und Stürzen, aber dabei ist das Volumen eher zweitrangig …) dauernd im Wasser, bringt also Auftrieb/Verdrängung, und sie hat auch Gewicht.
    3. Teilweise anders sehe ich das bei den Fußschlaufen. Sie sind – wenn man mal von der am meisten verbreiteten Volumensklassen um 120 Liter ausgeht – in der ja wohl hauptsächlich interessierenden Angleitphase i. d. R. nicht im Wasser. Allerdings haben sie ein Gewicht; und zwar ein erhebliches, weil: Auch in der Angleitphase sind die Strapse schon nass. So ganz ohne ihre Berücksichtigung gehts wohl auch nicht.


    Schon die Ermittlung des statischen Volumens scheint mir recht kompliziert zu sein. Ich kann daher nur warnen, gleich auf den dynamischen Auftrieb loszugehen. Wer noch mehr misst, misst noch mehr Mist.


    Außerdem würde eine (korrekte) Ermittlung des dynamischen Auftriebs folgendes Testergebnis bringen: Das Brett A mit höherem dynamischem Auftrieb gleitet besser an als das Brett B mit weniger dynamischem Auftrieb. Das ist für mich eine Testaussage mit Null-Information, denn das ist eh klar. Wollen wir die Tester arbeitslos machen? Viel interessanter ist es doch, Bretter mit gleichem statischem Auftrieb zu testen und dann herauszufinden, dass (und warum) das eine Board etwas besser kann als das andere. Denn für mich ist der statische Auftrieb ein ganz entscheidender Faktor bei der Brettauswahl: Kann ich mein Segel noch stehenderweise aus dem Wasser ziehen bzw. wie wackelig oder wie stabil ist diese Startphase? Hängt auch von Volumenverteilung sowie der Breite und der Art des Unterwasserschiffs ab, klar, aber das Volumen ist doch wohl die primäre Größe.

    Wir sollten uns wirklich mal Gedanken über ein vernünftiges, wirtschaftliches und zuverlässiges Verfahren zur Volumenermittlung machen. Vor allem, um den Herstellern auf die Finger zu klopfen und sie zur Transparenz zu zwingen: Einige Volumenangaben scheinen mir sehr marketingorientiert zu sein.


    Das Gleiche ist übrigens – da ich mich jetzt eh schon warmgeschrieben habe – bei Segeln vonnöten. Wer glaubt den qm-Angaben der Segelhersteller blind? Kriegen die es wirklich hin, auf den Quadratzentimeter genau zu schneidern (ich sehe teilweise zweistellige Angaben hinter dem Komma), oder ist auch hier eher der Wunsch der Vater der Prospekt(=Marketing)angaben? Und auch hier: Statisch messen! Segel auf den Boden oder sonst wohin legen (Stichwort Profil), aber nicht die dynamische Vortriebskraft messen. Den kann nämlich vielleicht höchstens Team Alinghi wissenschaftlich genau ermitteln, die haben aber ein signifikant andres Budget als ein Windsurfmag …Und auch Alinghi hat schon mal verloren …