Ich frage mich selbst - Lebensinhalt und Priorität Windsurfen

  • Liebe Leute,

    Ich sitze gerade in Torbole im Hafen und schreibe diese Zeilen. Ich bin 52 Jahre alt, beruflich mit meiner One-Man-Show zufrieden und schaue mir auf YouTube gerne „Retire Early”- oder „The Biggest Regrets of Old People”-Videos an. Ich könnte beruflich noch viel „erfolgreicher” sein und mehr Geld verdienen, aber das reizt mich nicht. Meine Kinder werden gerade erwachsen und ich lebe derzeit alleine und bin ortsungebunden.


    Ich verspüre schon seit Langem den Drang, mein Leben noch mehr auf das Windsurfen auszurichten. Ich könnte mir vorstellen, sechs bis acht Monate im Jahr hier in Torbole oder Arco oder auch in Griechenland zu verbringen, eventuell auch an beiden Orten.


    Meine Motivationsfaktoren sind: Natur, der Spirit der Elemente Sonne, Wind und Wasser, der Lebensstil in südlichen Gefilden und der Sport Windsurfen an sich. Das bedeutet aber auch, die Zelte zu Hause in Österreich mehr abzubrechen, wo ich auch sehr gerne bin.


    Denkt ihr auch über solche Dinge nach oder wäre euch das zu wenig zielorientiert? Oder findet Ihr, dass dieses Thema nicht so einen Stellenwert haben sollte?

    Es würde mich interessieren, welche Meinungen es dazu hier im Forum gibt. Alles liebe. :) <3

  • Probier es doch einfach mal, wie lange du es in Torbole aushälst. Arco ist doch aber weiter im Hinterland mit der Burg. Dann schon eher Riva.

    Es gibt auch noch andere hübsche Ortschaften direkt am Lago.

    Die Zelte in Österreich musst du da nicht gleich abbrechen. Mach einfahc eine Auszeit.


    Für mich persönlich ist das Windsurfen ein wunderbarer Ausgleich zur Arbeit, aber ohne die Arbeit wäre es das nicht.


    Es gibt mit Sicherheit hier auch welche, die nur Windsurfen.

  • Ich habe mein leben lang mehr Urlaub genommen als das ich gearbeitet habe, und dafür rechtzeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden. Ich bin sehr froh, dass ich so gelebt habe. Pro Monat Urlaub ohne Bezahlung gab es ca. 1000 € Einkommenssteuer zurück, und so viel brauche ich im Urlaub nicht.

  • Den Gedanken hatte ich früher auch öfter, aber letztendlich bin ich zu untalentiert, um im Surfen weit zu kommen und so an den wirklich spannenden Orten zum Surfen sein zu können, also gute Wave Spots.


    Gardasee oder ähnliches war mir auf Dauer zu langweilig, 4-6 Wochen Comer See waren OK, aber für viel länger sind Seen dann doch zu limitiert.


    Tatsächlich hätte ich dann auch einen anderen Job beginnen müssen, der mehr Auszeiten erlaubt und vielleicht sogar ortsungebunden funktioniert hätte.


    So bin ich mit dem Freizeit- und Urlaubs Surfer Dasein zufrieden, natürlich wäre ich gerne öfters auf dem Wasser, aber es gibt auch viele andere interessante Dinge im Leben.


    Vermutlich ist der Vorschlag, erstmal längere Auszeit, bevor man alle Zelte abbricht, ein guter Beginn. Kann ja bei Gefallen immernoch durchgezogen werden.

  • Danke für Deine Rückmeldung. Eigentlich geht es mir gar nicht nur ums Windsurfen. Mein Auto steht seit 6 Wochen still, bin nur mit dem Fahrrad unterwegs und so weiter. Herzlichen Dank.

  • Herzlichen Dank :) Good life.

  • Ich habe mein leben lang mehr Urlaub genommen als das ich gearbeitet habe, und dafür rechtzeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden. Ich bin sehr froh, dass ich so gelebt habe. Pro Monat Urlaub ohne Bezahlung gab es ca. 1000 € Einkommenssteuer zurück, und so viel brauche ich im Urlaub nicht.

    Gefällt mir sehr. Da steckt sehr viel Tiefgang drinnen, das man mitnehmen könnte. Genau um das geht es mir. Herzlichen Dank.

  • ich brenne ja mit 58 fürs wavesurfen

    der Gardasee hat mich schon vor 30 Jahren schwer genervt: seltsame Windverhältnisse
    und nerviger Kabbel'
    einmalig ne Woche hat mir fürs Leben gereicht und ich kann mir nur schwer vorstellen, da richtig viel Zeit zu verbringen
    ich bin stattdessen auf der Suche nach der perfekten Welle
    und ab morgen habe ich sie hoffentlich wieder, denn ich sitze hier in IST und warte auf Weiterflug ;-)

  • Solche Pläne haben mich mein Leben lang begleitet. Ich hab mit 57 meinen Job quittiert (also vor 12 Jahren) und bin (freiwillig!) in Rente gegangen, so wie ich das schon mit 25 Jahren geplant hatte.


    Ziel war natürlich u.A. auch, viel mehr surfen zu können an den schönsten Locations mit perfekten Bedingungen. Viele solcher Orte bin ich zuvor schon mal während den Ferien angefahren oder angeflogen. Die ersten -6- Jahre verliefen genau wie geplant, all die Orte aufzuzählen würde zu weit gehen, wir haben die Welt gesehen mit Höhepunkten wie Hawaii (1 Monat mit Maui 2 Wochen) Südafrika, Mauritius, Tofino, die ganze Küste vom Nordkap bis Nordsee und 2x rund um Italien, Sizilien, Sardinien, Korsika, Hurgada, Safaga, El Gouna und und und.....


    Dann kamen ab 2018 die Enkel - jedes Jahr, bis es nach Corona dann -5- waren, immer schön abwechseln von Tochter und Sohn. Sie sind der Hauptgrund, dass sich alles seither geändert hat, meine Frau will sie nicht mehr als -2- Wochen missen, nachdem wir zuvor jeweils 3 Monate am Stück unterwegs waren. Aber auch die Menschen gehen mir seit Corona oft auf den Wecker, zu viel hat sich geändert seither aus meiner Sicht und ich liebe mein zu Hause immer mehr. Toller Blick auf den See vor der Haustür und wenn's reicht mit dem Wind - ab auf's Wasser, mit Foil bietet auch der Bodensee mehr Wassertage als früher. Nach allem was ich erleben durfte, hätte ich es an keinem Ort länger ausgehalten aus 3 Monate, mich hat's immer wieder weitergezogen an völlig andere Spots, anderer Umgebung und anderen Menschen. Je älter ich aber werde, um so mehr schwindet die Reiselust.


    OK - keine Wellen mehr die man so schön abreiten kann, auch kein Spot mit prächtigem Flachwasser zum heizen, aber dafür alle Zeit der Welt um auch andere schöne Dinge zu tun, die Planung jedoch immer auf die Windprognosen abgestützt.....


    Und... zwischendurch mal spontan eine Woche nach irgendwo um etwas gemächlicher wie früher die Wellen zu shredden oder Flachwasser zu heizen.


    Alles letztendlich eine Frage des Geldes, was auch angesprochen wurde bei der Eröffnung des Themas. Naja - Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.... Bei mir war klar, dass ich im Beruf alles geben würde um richtig gut zu verdienen, damit ich all meine Träume auch leben konnte - kurz gesagt.... auch das ist gelungen, ich hatte einen tollen Job bis hoch zum Managing Director. Ich kann 100 Jahre alt werden und muss ab dann vermutlich mit dem Materialtausch alle 5 Jahre etwas zurückhaltender werden.


    Ich hab's anderen früher nicht geglaubt, aber man wird halt doch etwas ruhiger im Alter und daran sollte man auch denken, wenn man mit 40-55 alles nur auf Surfen setzen möchte.

  • Man muss nicht alles auf Surfen setzen. Eine ausgewogene Work-Life-Balance kann auch andere wichtige Aspekte des Lebens berücksichtigen.

    Entweder man versucht es wie Capricorn ( erst alles für den Job, dann kompletter Ausstieg) oder halt Reduzierung des beruflichen Einsatzes soweit es geht und sinnvoll ist.

    Ich habe die zweite Option wählen können und habe jetzt ein tolles Surferleben auf Fehmarn..... obwohl ich mit 63 noch vom Arbeitgeber voll bezahlt werde.... ? ?

    Fährt Ezzy auf Tabou, Goya und RRD

  • Das Thema mündet mit den Argumentationen letztlich im Topic "Lebensnachmittag"...Jeder wie er mag: Für mich wäre es nichts, alles auf die Karte "Surfen" zu setzen und ich arbeite schön weiter und gönne mir neben Urlaub möglichst schöne Wochenenden oder Feierabende/Überstundenausgleiche am Wasser oder anderswo. Habe in jungen Jahren schon viel Gas mit dem Surfen gegeben aber auch die Schattenseiten des Ganzen für mich definiert: Habe viele gesehen und kennengelernt, die alles auf die Karte "Surfen" gesetzt haben und sich selbst dabei letzlich schachmatt gesetzt haben und dann um es mal drastisch auszudrücken erst komisch und kautzig wurden, sich nicht mehr an normalen Surftagen erfreuen konnten, bei Flaute in (fast) depressive Zustände verfielen und dann teils einsam verreckten. Die Surfszene und vermeintliche Freundschaften sind oft oberflächlich...ist der Wind weg, sind die Leute weg und hinterlassen den eben noch mit Leben, ausgelassener Freude und bunten Segeln gefüllten Ort zurück in Tristesse. Ich bin froh und glücklich meine feste Basis aus Familie, echten Freunden, einer genehmen Arbeit und einem schönen Zuhause zu haben und würde das nie eintauschen wollen.

  • Kleine Ergänzung: Ich merke das immer, wenn man mal länger Urlaub macht...Das bewusste Genießen der Zeit nimmt ab, man fängt an Zeit zu "verplempern" und es fehlt die Abwechslung. So blöd es klingt: Dann freue ich mich direkt wieder auf den Kontrast "Alltag", um dann auch wieder neue Vorfreude auf neue Reisen/Auszeiten zu schöpfen.

  • Wichtig und total richtig: die Surfszene ist dynamisch. "Freundschaften" sind kurzlebig, existieren oftmals nur am Spot und beziehen sich nur auf das Surfen. Das ich meine Frau beim Surfen kennengelernt jene ist wohl eher selten.. ?

    Kein Wind = keine Szene = keine Surfer = sehr uncool = uninteressant


    Was auch für alle Hobbys gilt: nur weil man das gleiche Hobby teilt ist man sich noch lange nicht sympathisch. Bei einer kleinen Surf-Szene ist die Wahrscheinlichkeit auf echte Freunde doch sehr reduziert.

    So wie hier im Forum: tausende Mitglieder - ich mag vielleicht 5...?.... immerhin... ?

  • Wie schon geschrieben wurde, jeder empfindet es anders. Ich brauche z.B. keine grossartigen Reisen. Wir leben seit 10 Jahren immer 4 Tage in der Stadt und 3 Tage in den Bergen (Work-Life-Balance:-) )Ich kann hier Windsurfen (natürlich meist gemächlich mit dem 9.5er) und im Winter Skifahren, Skitour, … 2 Wohnsitze kosten, daher auch noch keine Rente mit 55 … zwischendurch hatte ich auch ein paar 6 monatige Auszeiten … daher wenn es bei dir finanziell kein Problem ist, würde ich mal ausprobieren wie 6 Monate Torbole sind und dann entscheiden wie es weitergeht. Vielleicht ist dir dann ja langweilig :)

  • viele Deutsche Früh-Aussteiger hier in Griechenland haben dies längerfristig bedauert.

    viele liessen sich vor den Vorbesitzern der Häuser (auch Deutsche) über den Tisch ziehen.

    viele waren gelangweilt vom langsamen Leben ohne TRubel ausserhalb der Saison.

    viele kamen mit der ganz anderen Mentalität (Stichwort dringende Handwerkerarbeit gebraucht) überfordert.

    viele kehrten bei den im Alter nun mal eintretenden Krankheiten nach Deutschland zurück - hatten jedoch die Zelte dort bereits komplett abgebrochen.

  • Eins ist klar, 6 Monate ohne Kommunikation mit anderen Menschen hält niemand aus. Der Plan muss also sein, neben der Windsurferei, auch mit den Menschen vor Ort zu reden, von der Einsamkeit weg. Neue Freunde finden als Plan wäre vielleicht zu weit gegriffen, aber vielleicht ergibt es sich ja.

  • Wenn man selbstständig ist, muss man lange arbeiten, da sonst das Geld fehlt. Natürlich kann man sich sehr einschränken aber das ist auf Dauer auch nicht lustig. Ich war dieses Jahr fast vier Wochen in Torbole und ich fand es weder voll noch langweilig. Da ich auch selbstständig bin, habe ich täglich um die zwei Stunden gearbeitet. Keine Belastung, eher Ausgleich. Die Erwachsenen Kinder mit Partner waren zeitweise mit dabei, auch sehr schön, ohne sich zu nerven.


    Für mich ist die Abwechslung zwischen Freizeit und Beruf entscheidend. So kann ich mich auf den nächsten Urlaub im Herbst freuen. Wenn Wind ist, kann ich jederzeit nach NL rüberfahren, leider ist das seltener als man denkt.


    BTW, ich kenne Leute, die Ferienhäuser haben und bereits in Pension sind, genutzt wird das Domizil kaum…