Weiches Board reparieren / Sandwich Aufbau

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  • Hallo zusammen,

    ich benötige Ratschläge bzgl. der Reparatur eines zwischen den Schlaufen weich gewordenen Boards. Auf den Bildern sieht man, dass ich ziemlich stümperhaft das Deck mit dem Multimaster aufgeschnitten habe. Ich dachte damals noch, dass das Board eh auf dem Müll landen wird. Nun habe ich etwas Zeit und mich entschlossen es doch wieder fit zu machen und dann zu verschenken. Ich werde erstmals mit Vakuum und evtl. Carbon arbeiten. Bisher habe ich lediglich recht unkomplizierten Handlaminate aus Glasfasern erstellt.


    Ich habe folgende Schritte für die Reparatur geplant:

    - Die beschädigten Stellen des Styroporkerns mit PU Hartschaum flicken.

    - Schaum schleifen und kleinere Löcher verspachteln.

    - Die Ränder des aufgetrennten Bereichs schäften.

    - Sandwich aus 80g Glasgewebe, 2mm Airex, 80g Glasgewebe, 150g Kohlegelege bidiagonal und 160g Kohlegewebe in einem Rutsch im Vakuum. Die Kohlelagen gehen über die geschäfteten Stellen hinaus.

    - Die herausgetrennten Platten so dünn wie möglich schleifen und dann diese auf das neue Sandwich kleben um das alte Design halbwegs wiederherzustellen.

    - Verspachteln mit Microballoons.

    - Lackieren


    Das Airex des Boards hat 3mm. Habe noch 2mm Airex hier und würde ungerne eine neue Platte kaufen. Reichen 2mm oder soll ich es verkleben und 4mm draus machen oder spare ich damit an der falschen Stelle?


    Passt der Lagenaufbau des Sandwiches so in etwa? Ich hätte noch 800g Glasgelege Quadraxial, 320g Glasgelege bidiagonal und 160g Glasgewebe vorrätig. Sollte ich lediglich 2mm Airex verwenden, bliebe von der Sandwichdicke her Platz für das quadraxial Gelege. Kann ich mir damit die teure Kohlefaser schenken?


    Ich muss die Footpads für die weitere Arbeit entfernen. Habt ihr einen guten Tipp wie ich das halbwegs zerstörungsfrei schaffen kann? Mir hat mal jemand zur Zahnseide geraten, was leider nicht funktioniert und mit einem Teppichmesser bekomme ich es auch nicht hin ohne sie zu ruinieren. Hilft evtl. ein Heißluftfön?


    Die Pumpe schafft -900mbar aber was verträgt der Schaum? Welcher Unterdruck ist ideal? Gibt es irgendetwas auf das ich besonders achten muss?


    Funktioniert die Kombination Polystyrol/Polyurethan?


    Über Kritik und Ratschläge würde ich mich freuen.


    Daniel

  • Zum Aufbau der äußeren Schicht: erst eine große Lage Carbon über die ganze schäftung, dann die zweite Lage Carbon etwas kleiner und zum Schluss das Glas. Wenn du Patches willst, die ganz am Schluss auflegen.


    2mm Airex sind im Unterwasserschiff schon wenig, am Deck im Standbereich viel zu wenig. Ob 3mm schon reichen kann ich dir genau nicht sagen, vielleicht kann dir da kaktus oder PeeJott17 weiterhelfen. Das Brett ist ja an der Stelle nicht umsonst weich :) Verkleben von Platten kostet Harz und Gewicht.


    Vakuum habe ich so ca. 0,25-0,3 bar unter Normaldruck. Wen du 0,9 anlegst geht der Schaum kaputt.


    Ob du die footpads sauber abbekommst wage ich zu bezweifeln.

  • Dank dir für deine Antwort.

    Das Brett ist ja an der Stelle nicht umsonst weich :) Verkleben von Platten kostet Harz und Gewicht.

    Das Board war über acht Jahre lang mein meist gefahrenes und ich wiege zarte 94kg. Ich habe mich dann nicht früh genug um die weichen Stellen gekümmert sondern bin es in der letzten Saison einfach weiter gefahren, da ich es eh austauschen wollte. Von daher kann ich mich echt nicht über die Qualität beschweren. Der neue Besitzer wiegt 20 kg weniger und nimmt es eh nur zum freeriden. Sollte das Board am Ende 300g schwerer als vor der Reperatur sein ist das relativ egal.

  • Zu den Footpads ablösen:

    Ich hab das vor kurzem erst mit Teppichmesser gemacht. Geht schon wenn man das vorsichtig macht und dabei den schon abgelösten Teil, beim Schneiden mit der anderen Hand hochzieht.

    Paar Reste bleiben zwar kleben, aber zumindest kriegt man die Pads am Stück ab und kann die dann wieder draufkleben.

  • Habe gerade die Bilder nochmal angeschaut: du solltest es vielleicht anders ausschneiden.

    Das Laminat auf dem Kern sollte überlappend laminiert werden. Du hast ja jetzt alle schichten auf einmal durchtrennt. Nutze in Zukunft am besten einen "Dremel" mit ner hochwertigen Diamantscheibe (ich nehm welche von Stuber Diamant). Damit kannst du super sauber arbeiten.

  • Danke nochmal! Werde mich am WE dem Board widmen. Ich dachte wie gesagt, dass das Board eh auf dem Müll landet und wollte mir einfach mal die defekten Stellen anschauen. Habe dabei tief in den Kern geschnitten worüber ich mich jetzt natürlich ärgere. Das aktuelle Sandwich des Boards besteht wirklich nur aus einem hauchdünnen Glasgewebe von ca. 100g auf der Innenseite, darauf 3mm Schaum und dann ein etwas schwereres Glasgewebe und darauf zwei Lagen Kohle. Daher bin ich davon ausgegangen, dass das innere Gewebe lediglich als Stützgewebe dient. Auf dem einen Bild sieht man, dass ich versucht habe den einen Rand bis zum Kern zu schäften. Sobald ich die hälfte vom Airex runter habe bröselt mir aber alles darunterliegende unter den Händen weg. Naja vielleicht schäfte ich die Ränder dann doch etwas großzügiger, lasse ein Hauch vom Airex stehen, laminiere da das innere Gewebe drüber und schäfte das neue Airex entsprechend. Dann laminiere ich in zwei Schritten - erst inneres Laminat und Airex und dann den Rest.

  • Nicht das airex sollte stehenbleiben sondern nur das innere Glasgewebe. 2-3 cm sollten schon ausreichen. Dann ist das innere Glasgewebe und àusere Carbon überlappt und du hast keine Schwachstelle.

    Kern kannst du auch mit Microballon s und Harz spachteln. Evtl. Etwas schwerer aber Untergrund wird damit sehr gut gerade.

  • Aloha.

    Sorry, hab es total verpennt mich zu melden, aber ich denke jetzt ist schon alles gelaufen???


    Bzgl. 2mm Hartschaum ist das wirklich wenig, aber wenn sowieso soviel anderes stabiles MAterial (Carbon/Glas) da reingeknallt wird, dann ist das auch total i.O.

    Die Idee des Sandwichaufbaus ist doch eine hohe Steifigkeit bei weniger GEwicht mit annähernd gleicher Schlagzähigkeit wie wenn ich einfach nur Fasern auf den Blank laminiere.


    maW kann man auch gar keinen AIREX nehmen und nur Carbon und Glas reinhauen und dann wird es sogar noch wesentlich härter und zäher, aber auch deutlich schwerer.


    Die Boardlady sagt immer, dass man das wieder reintuen soll, was vorher drin war, damit sich keine "hardspots" bilden, weil an den Rändern dieser hardspots der flex anders ist und damit dort dann wieder bei überlastungen schwachstellen entstehen...will man ja nicht, daher nach möglichkeit das rein, was vorher drin war.


    In dem Fall, das 3mm AIREX drin waren, ich aber nur 2mm habe würde ich ein doppelsandwich (ja ist dann 4mm aber egal) machen und dann einfach oben passend anschleifen.


    Mein üblicher Reparaturaufbau, wenn ich nicht ganz genau weiß was drin war, 100g/qm Glas - 3mm AIREX 70.75 - 165g/qm Glas - 100g/qm Glas oder statt dem Glas zeuch 200g/qm Kohle BD oder Köper oder, wenn es nur ganz kleine Stellen sind, auch gerne statt Airex einfach Kork. Bei wirklich kleinen Stellen lass ich das AIREY/Kork weg und es kommt nur Spachtel mit Glasfaserschnipseln rein und fertsch...


    Ist vielleicht nicht "state of the art" aber hielt bisher immer gut ;-))

  • Moin moin,


    danke für deine Antwort. Ja, das ganze war bereits gelaufen. Das Brett ist jetzt ca. 150g schwerer, aber wird wohl an der Stelle auch nicht mehr weich werden. An den Rails bin ich beim schleifen auf Kevlar gestoßen und habe letztendlich den gesamten Bereich mit einer Lage 160er Kohle/Aramid laminiert. Die Argumentation der Boardlady erschließt sich mir nicht gänzlich, da ein Windsurfboard immer ein Materialmix ist und weichere und härtere Stellen existieren. Dass deswegen die Übergänge besonders schnell weich werden sollen, konnte ich nicht beobachten. Die weichste Stelle war eine Fläche, die im ursprünglichen Sandwich zusätzlich mit Holz verstärkt war. Die Randbereiche dieses "hard spots" sind nicht weich geworden, sondern genau das Zentrum dessen, das von außen mit dem Fuß belastet wurde.

    Als Fazit der Reparatur kann ich sagen, dass 1K PU-Schaum großer Mist ist und ich beim nächsten mal wieder auf 2K setzen werde. Der Dosenschaum hat mich gezwungen viel zu spachteln, was natürlich das Gewicht in die Höhe getrieben hat. -0.3bar war mir zu wenig Unterdruck. Der Schaum hat 20 mbar abs. überlebt. Die Footpads ließen sich, wie t4luis es beschrieben hat, lösen. Durch das wieder aufgeklebte Dekor steigt zwar das Gewicht aber die Größe der Reparatur fällt kaum auf.

  • Moinsen. Na dann ist doch alles jut.

    Das mit den hardspots erklärt sie so dass an einer kannte an der ein nicht flexender Bereich an einen flexenden anschließt eben das flexendere Material leichter brechen kann.

    Dafür müsste es aber eine recht harte Kante sein. Macht man das überlappend dann wäre es nicht soo schlimm weil dann ein schleichenderer Übergang gegeben ist...so in etwa...;-)

  • Der Schaum hat 20 mbar abs. überlebt. Die Footpads ließen sich, wie t4luis es beschrieben hat, lösen. Durch das wieder aufgeklebte Dekor steigt zwar das Gewicht aber die Größe der Reparatur fällt kaum auf.

    Bist Du da sicher?

    20 mBar abs. entspricht -980 mbar - da kann ich mir kaum vorstellen, dass Styro das überlebt. Bei mir hat es schon bei deutlich weniger Unterdruck (in der Spitze wohl -500 mbar) das Unterwassserschiff verbeult. Aus einer Monokonkave wurde eine unregelmäßige Doppelkonkave. Einzig die Scoop-Rocker-Linie scheint durch den Carbonstringer noch intakt, aber selbst die Rails scheinen nicht mehr überall die gleiche Position zur Mittellinie zu haben: Vorher war die Konkave an der tiefsten Stelle ca. 6 mm tief, jetzt ist der Abstand zu den Rails noch 1,5 mm. Wenn die Mittellinie stringerbedingt gleich geblieben ist, müssen sich die Rails hochgezogen haben. Und das wie gesagt bei -500 mbar in der Spitze, -400 über Nacht :/

  • Moin Michael,

    ich hatte heute die Gelegenheit das Board in Augenschein zu nehme. Habe 20 min gemessen, gedrückt, geklopft und konnte keine Beschädigung oder Verzug feststellen. Ich sehe ein achsensymmetrisches V, das sich bis zum Heck zieht und das sehr wahrscheinlich auch vorher so aussah. Jetzt kommt das große ABER:


    1) Ich habe vorher das Unterwasserschiff nicht vermessen und habe keinen direkten Vergleich.

    2) Der Schaumkern war großflächig (zu ca. 70%) mit Microballons gespachtelt.

    3) Die Pumpe lief ca. 4 h. Danach habe ich das Vakuum abgeklemmt. Ich habe vorher einen kurzen drop Test gemacht um die Dichtigkeit zu überprüfen aber nur 10 min. Ob das Vakuum wirklich 24 h bei – 980 mBar war kann ich dir daher nicht zu 100% garantieren.


    Würde ich es wieder so machen? Sicher nicht. Das liegt aber hauptsächlich an der Ausdehnung der Lufteinschlüsse im Harz, die unter Vakuum natürlich verstärkt wird. Selbst wenn du das Harz vorher entgast arbeitest du durch das Auftragen des Harzes wieder neue Luft ein. Müsste ich die Reparatur wiederholen, würde ich den Schaumkern mit dem Stützlaminat des Sandwiches unter dezentem Vakuum verschließen und den Rest dann in einem Wisch mit Harzinfusion unter maximalem Vakuum verkleben. Dass das die beste Lösung ist, wage ich nicht zu behaupten, auch nicht dass jeder Schaum das überleben würde.

  • naja - in vielen theoretischen Betrachtung zur Steifigkeit von Sandwich-Elementen wird ja der Abstand der Außenschichten/Deckschichten als maßgeblich angenommen. Viel Luft dazwischen - wenn sie in Form von Luftblasen im Harz keinen signifikanten Einfluss auf die Druckfestigkeit der Zwischenlage hat, vergrößert ja diesen Abstand und damit die Biegesteifigkeit.

    Also: Völlig logisch :D

  • Ja völlig logisch :)

    Biegesteifigkeit = E-Modul x Dicke³ / 12 x (1 - G-Modul²)

    Durch das Potenzieren mit drei hat die Dicke des Laminats massive Auswirkungen aber die negativen Auswirkungen der Luftblasen im Laminat werden wohl zu schlechteren Eigenschafften dessen führen. Dann doch lieber ein ordentliches Sandwich um die Dicke zu erhöhen.


    Naja das ganze ist auch aus einem Missgeschick entstanden. Mir ist beim abklemmen der Harzleitung der Schlauch aus der Hand gerutscht, so dass ins vollständig mit Harz gesättigte Laminat Luft geschossen ist. Diese hat sich augenscheinlich gleichmäßig über alle Schichten des Laminats verteilt. Ich habe es dann ohne Vakuum aushärten lassen. Letztendlich fand ich den Unterschied von 1.1 mm zu 1.8 mm schon beachtlich. Harz/Faser-Verhältnis hat sich nicht verändert.

  • Biegesteifigkeit = E-Modul x Dicke³ / 12 x (1 - G-Modul²)


    Naja das ganze ist auch aus einem Missgeschick entstanden. Mir ist beim abklemmen der Harzleitung der Schlauch aus der Hand gerutscht, so dass ins vollständig mit Harz gesättigte Laminat Luft geschossen ist. Diese hat sich augenscheinlich gleichmäßig über alle Schichten des Laminats verteilt. Ich habe es dann ohne Vakuum aushärten lassen. Letztendlich fand ich den Unterschied von 1.1 mm zu 1.8 mm schon beachtlich. Harz/Faser-Verhältnis hat sich nicht verändert.

    Nach der Formel suche ich seit Ewigkeiten, aber in dem Dickicht der Dissertationen und Fachschriften zu dem Thema sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich bin halt kein Physiker.X/ Danke für's Teilen!!


    Die dramatische Erhöhung der Laminatdicke wundert mich auch. Ich bin aber noch nicht mal sicher, ob das die Laminateigenschaftenerheblich verschlechtert: So lange die Fasern vom umgebenden Harz stabil in Form gehalten werden, (was ich aber nicht weiss), sollten sich die Eigenschaften der Deckschicht nicht nennenswert verändern.

    Normal Case heben sich Dickenzuwachs und Beeinträchtigung des Faserverbundes auf, best case hast Du ein neues Verfahren erfunden, die Schichtstärke und damit Biegesteifigkeit ohne nennenswerte Gewichtszunahme weiter zu erhöhen. So eine Art in die Decklage übergehendes Kernmaterial. Wer weiss, vielleicht laminieren wir alle in 10 Jahren mit Schaumharz nach der vipcop-Methode ;)

  • Verständliche Infos gibt es hier: https://wiki.polymerservice-me….de/index.php/Steifigkeit


    Ich schaue mal wenn ich die Zeit finde, ob ich das ganze reproduzieren kann und wie das Bruchverhalten im vergleich zum normalen Laminat ist. Eine gleichmäßige Sättigung des Laminats mit Luft zu erreichen und dabei kein Harz von den Fasern zu saugen stelle ich mir aber äußerst schwierig vor. Ich denke der kleine Testunfall war Zufall besonders was das Faser/Harz Verhältnis angeht.