Erfahrungen mit Flachs?

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  • Moin moin,
    Hat jemand von euch schonmal Erfahrungen mit Flachsfasern gemacht?
    Ich wollte mein nächsten Wellenreiter damit laminieren.
    Da sind Tipps natürlich willkommen.
    Gruß, Jan

  • Der Trend geht halt zu "ökologischen" Surfboards ;) ist ja auch gar nicht so abwegig. Ob "hohl" gebaut aus Holz, oder halt wie http://www.notox.fr/en/category/news/ aus recyeltem EPS.
    Ich dachte auch daran, Flachs über den Kern, dann Zeder-Furnier drüber, und dann nochmal Glas drüber.
    Alternatic kann man statt EPS auch Pilze nehmen, da gibt es eine Firma in den USA, die bieten da was an. Ist halt mal zu testen, ob das auch für Windsurfer was taugt, oder zu schwer ist.

  • hier findest du ein datenblatt


    ich hab vor ein paar jahren mal ein wenig mit flachsfasern experimentiert.


    eine relative weiche faser, aber mit guter dämpfung. wenn man das richtig einsetzt kann man glas dadurch ersetzen, die teile dämpfen dann aber anders, das müsste man verstehen lernen.


    bei meinen snowboards stelle ich das lieber mit der art und konstruktion des holzkernes ein, da habe ich mehr erfahrung.


    wenn ich teile - mit oder ohne Kern - dämpfen will sind auch Dyneema und Vectran sehr gute varianten, mit diversen vorteilen (und auch ein paar nachteilen)


    bei wellenreitbrettern kann ich mir das noch ganz gut vorstellen, bei den sehr steifen (vollcarbon) und kaum bedämpften windsurfbrettern kann ich mir das weniger vorstellen, weil das sind die laminate ja im wesentlichen carbon.




    ...der halt wie http://www.notox.fr/en/category/news/ aus recyeltem EPS....


    ich habe das anders verstanden, Notox führt die produktionsabfälle dem recycling zu, dass sie recylclingware für ihre kerne verwenden habe ich da nicht gelesen. was ich aber für gut halte, denn soweit ich mich erinnere ( bin nicht mehr up to date) sind die mechanischen eigenschaften von recycletem EPS - besonders bei sehr niedereM RG - deutlich schlechter als bei neuware, recycling ist da in der verpackung oder im Bau (knauf?) besser aufgehoben (was manche als downcycling sehen)


    generell stehe ich dem ÖKO - trend bei langlebigen sportartikeln wie auch surbrettern eher skeptisch gegenüber. ich habe da vor jahrzehnten bereits diplomarbeiten (ski) betreut, in meinem Umfeld beschäftigt sich ein student mit umweltfreundlichen surfbrettern. grundsätzlich ist es natürlich gut, wenn emissionen und giftigkeit in der herstellung reduziert werden, aber den trend haben wir schon seit über 20 jahren.


    wenn man vom surfbrett als müll ausgeht, macht mMn der obige aufbau (Flachs über den Kern, dann Zeder-Furnier drüber, und dann nochmal Glas drüber) keinen unterschied ob das mit oder ohne flachs auf der deponie oder in der verbrennung landet.


    wenns wirklich anders sein soll - holz ohne metall und kunststoff - ich glaube aber nicht dass ich auf einem alaia windsurfen will.


    und die wesentlichen umweltauswirkungen des windsurfens sind mMn in der herstellung die farben und lacke, aber ansonsten ist das der verkehr zum surfspot und vielleicht die logistik, und auch die kurze nutzungsdauer der produkte, muss es jede saison eine neue modellreihe sein?


    o.a. student ist in diesem sinne mit dem fahrrad zum surfen gefahren - salzburg > barcelona

    Manche Menschen haben einen Stock im Arsch, und andere einen ganzen Grenzpfosten! c miss_paran0ia

  • ich habe mich wohl doch verlesen...
    Mit der Verwendung von Flachs bei Windsurfboards hast du wahrscheinlich recht.
    Ich werde es einfach mal versuchen. Mir ging es dabei halt darum, möglichst wenige Produkte zu verwenden, die aus Erdöl gewonnen werden.
    Aber letztendlich müssten halt die Hersteller damit anfangen. Wie du schon sagst, jedes Jahr neue Boards sind halt totaler Humbug.
    Ich werde auch mal versuchen, als nächstes aus diesem "Pilz" ein Board zu bauen, mal sehen, was das wird :P

  • Surboards haben nicht nur ökologische Auswirkungen am Ende ihres Lebenszyklus.
    Bei der Suche nach ökologischen Ersatzstoffen ist ausschlaggebend, das sie auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Also kein oder weniger Erdöl als Ausgangsstoff haben.
    Damit haben sie eine deutlich geringeren CO2 "Fussabdruck" als bisherige Produkte. Somit auch das Gesamte Produkt Surfboard.
    Und wenn sie dann auf der Deponie oder Verbrennung landen, zumindest verrotten sie schneller bzw. erzeugen weniger Schadstoffe bei der Verbrennung.

  • Danke. :)
    Darauf wollte ich auch hinaus. Deshalb die Verwendung von solchen Produkten. Leider habe ich bis auf "Greenpoxy" noch keine Alternative für ein Harz gefunden... Ich glaube aber, in diesem Bereich wird es auch schwer, ein Produkt mit ähnlichen Eigenschaften zu finden.

  • ...
    Bei der Suche nach ökologischen Ersatzstoffen ist ausschlaggebend, das sie auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Also kein oder weniger Erdöl als Ausgangsstoff haben.
    ....


    aber weder glasfaser noch carbon sind aus erdöl.


    der denkansatz ist grundsätzlich gut und interessant, allerdings würde mich dann auch interessieren wie die ökobilanz von industrieflachs azusieht, pestizide, wie wird die faser gewonnen, etc.


    nach manchem was rund um die themen baumwollanbau oder auch biosprit aufkommt wäre es interessant (wenn auch extrem aufwändig) das gesamtheitlich zu hinterfragen


    dass mit harz behandelter flachs schneller verrottet als glas und carbon ist vermutlich so, aber das sind inerte stoffe die in einer deponie vollkommen egal sind.


    in der verbrennung meine ich sind glas oder carbon unproblematischer als flachs, wobei die problemzonen da wohl eher die diversten harze sein werden.


    wirklich fit bin ich in thema aber nicht

    Manche Menschen haben einen Stock im Arsch, und andere einen ganzen Grenzpfosten! c miss_paran0ia

  • Bei der Herstellung von Carbon ist der Ausgangsstoff Polyacrylnitril, welches wieder u.A. aus Propen besteht ( "Propen [proˈpeːn] (Propylen [propyˈleːn]) ist ein farbloses brennbares Gas. Es wird durch thermische Spaltung (Steamcracken) von bei der Erdölverarbeitung anfallenden Benzinen erhalten." ).


    Zur Herstellung von Epoxidharzen u.A. Polyole benötigt ( Die Herstellung von Polyolen, insbesondere für die Kunststoffindustrie, kann sowohl petrochemisch auf der Basis von Mineralöl wie auch oleochemisch auf der Basis von Pflanzenölen erfolgen ).


    Dieses ganze Green IT Wunschdenken sehe ich etwas kritisch sobald ich Made in China höre. Ich denke wir haben da nette Chemieprodukte als Spielzeug, woran sich wohl auch nichts ändern wird. Einfach mal ein Burger weniger essen und dafür einen Apfel aus Oma´s Garten :6:

  • Stimmt Glasfaser sind nicht aus Erdöl,aber EPS und Epoxy, wollte das jetzt nicht zu sehr detaillieren, sonst bin ich morgen noch am Schreiben.
    Die Gesamtökobilanz von Hamnffasern ist Glasfasern deutlch überlegen. Flachsanbau ist auch wesentlich unkomplizierter als z.B Baumwolle,das ja extrem viel Pestizide verbraucht.
    Kohlefaser benötigen sehr viel Energie bei der Herstellung. Nicht umsonst produziert BMW für seine i-Eletroautos sein Carbon unter Einsatz von Strom aus Wasserkraft, damit man ihnen da nicht an den Karren fahren kann.
    BeimVerbrenne von nachwachsenden Rohstoffen wird auch kein zusätzliches CO2 erzeugt, was wiederum der CO2 Bilanz zugute kommt.


  • BeimVerbrenne von nachwachsenden Rohstoffen wird auch kein zusätzliches CO2 erzeugt, was wiederum der CO2 Bilanz zugute kommt.


    Das ist mal wieder so ein kompletter Dünnschiss, den uns die Holzindustrie eingetrichtert hat!!!


    Die normale Verrottung von "nachwachsenden Rohstoffen" erfolgt in einem Zeitraum vom ca. 100 Jahren - in dieser Zeit wird das entstehende CO 2 im natürlichen Kreislauf wieder aufgenommen. Wenn man jetzt das Zeug in einem Tag verbrennt, reichert sich natürlich das CO 2 zusätzlich in der Atmosphäre an, da es auf natürliche Weise ja erst in 100 Jahren komplett im Kreislauf absorbiert worden ist. Das bedeutet: 100 Jahre x 365 Tage reichert sich die CO 2 Menge also immer weiter an, erst nach 100 Jahren ist das CO 2 von ersten Tag komplett neutralisiert und eine weitere Anstieg erfolgt dann nicht mehr. Wenn man dann die Verbrennerei stoppt, dann ist in den folgenden 100 Jahren ein Rückgang auf die "normalen" Werte zu erwarten.


    Also: das Märchen von der neutralen CO 2 Bilanz ist eine reine Lüge und wird aus Marketing-Gesichtspunkten von der Holzindustrie und den nordischen Holzerzeugerländern der Bevölkerung aufgetischt


    meint


    Dr. Spin Out


    weil er ja immerhin bis drei zählen kann!

  • Klar, wenn man einen Wald auf einmal verbrennt, ergibt das eine CO2 Zunahme. und wenn der dann nicht aufgeforstet wird, würde dieses CO2 in der Atmosphäre verbleiben (den Ocean als CO2 Puffer lassen wir hier mal ausser acht).
    Aber eben auch nur unter dieser Prämisse.


    Allerdings werden für Energieholz eben nicht die 100 jährigen Grossteutschen Buchen oder Eichen genommen, sondern Holz aus Kurzumtriebsplantagen (KUP, z. B. Pappel). Diese werden nach 5 bis maximal 10 Jahren geerntet. Sonst wären Holzpellets auch reichlich teurer.


    Weiterhin reagiert das Klima nur mit Trägheit auf die Veränderungen seiner Randbedingungen. Wir brauchen hier also nicht um vermeintliche 10 oder 20 jährige Schwankungen zu diskutieren.


    Des weiteren, selbst wenn, wie Du meinst, Holz eine reine CO2 Quelle und keine Senke ist, sprechen wir eben nur über den CO2 Speicher von maximal 100 bis 300 Jahren.
    Bei der Verbrennung von Erdöl hingegen, wird CO2 freigesetzt, das über Millionen von Jahren der Biosphäre entnommen wurde. Was ein Gleichgewicht stärker durcheinanderbringt sollte damit klar sein.


    Das Klima ist nun mal kein deterministisches sondern ein chaotisches System.


    Daher muss dann auch leider etwas weiter als bis drei gezählt werden.



    Hoffentlich ab jetzt wieder ohne Fettbuchstaben und Kraftausdrücke :-)


    Aloha and relax
    Ganymed

  • ...Des weiteren, selbst wenn, wie Du meinst, Holz eine reine CO2 Quelle und keine Senke ist, sprechen wir eben nur über den CO2 Speicher von maximal 100 bis 300 Jahren.
    Bei der Verbrennung von Erdöl hingegen, wird CO2 freigesetzt, das über Millionen von Jahren der Biosphäre entnommen wurde. Was ein Gleichgewicht stärker durcheinanderbringt sollte damit klar sein....


    Aloha and relax
    Ganymed


    Genau diese Argumente sehe ich als Unsinn an. Der Atmosphäre ist es egal, wie lange das CO 2 schon gelagert ist, was an Holz heute verbrannt wird ist eben morgen als CO 2 in der Luft. CO 2 neutral ist Holz erst über einen Zeitraum von hunderten von Jahren, aber heute und morgen und für die nächsten Jahrzehnte reichert jeder verbrannte Baum die CO 2 Bilanz an (und jeder verbrannte Baum ist dann auch keine CO 2 Senke mehr!)


    Das gängige Argument von der "neutralen CO 2 Bilanz" von Holz ist falsch und nicht haltbar, es ist genau so eine Lüge wie das Märchen vom billigen Atomstrom, auf das (fast) alle in den 70er Jahren reingefallen sind


    meint


    Dr. Spin Out

  • Da sind wir uns mit dem Atomstrom einig! :-) Die geplanten Atomkraftwerke in England bekommen eine Vergütung von 11 Cent pro kWh plus Inflationsausgleich für 35(!) Jahre garantiert plus Bürgschaften für die Investitionskosten. Zusammengerechnet ist das teurer als Solarstrom in Deutschland, ganz zu schweigen von Windstrom.


    Klar, jeder verbrannte Baum kann kein CO2 mehr binden und sein gebundenes CO2 wird an die Atmosphäre abgegeben.
    (Deswegen ist es auch keine gute Idee, Tropenwald abzuholzen und darauf nur noch Soja oder Palmöl anzupflanzen. Das wir dann beim Palmöl intelligenterweise mit schlechtem Wirkungsgrad gleich wieder verbrennen, oder beim Soja mit noch viel schlechterem Wirkungsgrad in Fleisch umwandeln :bonk: )


    Anyway, wenn in Nord- und Mitteleuropa Holz im grossen Masstab zur Energiegewinnung genutzt wird, wird auch wieder neuer Wald angepflanzt. Das dann üblicherweise in diesen Kurzumtriebsplantagen. Es ist ja für die wenigsten Leute wirtschaftlich, ihren Wald einmal abzuholzen, und dann das Land brach liegen zu lassen.
    Also wird es in der Regel in Nord- und Mitteleuropa kein Energieholz aus Kahlschlag geben (primat der Wirtschaftlichkeit).
    Daher wird sich CO2 Freisetzung und Verbrauch über den Lebenszyklus der verwendeten Bäume (KUP max. 10 Jahre) auf Null saldieren.


    So läufts auch im echten Wald. Wenn der Baum nach 100 Jahren umkippt, bindet er auch kein CO2 mehr. Jetzt braucht er zum verrotten in unserem Klima aber in der Regel weniger als 100 Jahre und setzt daher "sein" CO2 in kürzerer Zeit frei, als er es gebunden hat.
    In seiner Verrotungszeit hätte er damit mehr CO2 produziert, als er gebunden hat. Aber zum Glück hat er ein paar Ableger bekommen, die mit Hilfe seiner Nährstoffe wieder wachsen können und die CO2 Bilanz wieder geraderücken können.
    Bei Stoffflüssen gehts in Ökosystemen immer über Mittelwerte über eine zeitliche Periode.


    Das ist ja die Idee von diesem, inzwischen zur Marketingblase missbrauchten, "nachhaltigen" wirtschaften. Man entnimmt nur soviel, wie auch nachwächst. Aber eben nur im Mittel über die Zeitachse.
    Ge- und Verbrauch sind im Gleichgewicht. Das berühmte ökologische Gleichgewicht.


    Sorry, letzter Exkurs: Diese Gleichgewichtsgeschichte macht die Diskussion mit der Klimaveränderung ja so kompliziert. Das Klimasystem ist die letzten paar tausend Jahre halbwegs stabil gewesen, also im Gleichgewicht. Aber jedes Gleichgewicht bedingt feste Randbedingungen, damit das Gleichgewicht bestehen bleiben kann.
    Daher machen wir gerade ein grosses Experiment mit dem Wärmegleichgewicht in unserer Biosphäre. Wir verändern die Randbedingungen, d. h. wir erhöhen die sog. Treibhausgase. Bei CO2 haben wir den bisherigen Anteil verdoppelt bald verdreifacht.
    Grosse Preisfrage, wie reagiert das Klima darauf?
    Ist es entspannt und etwas phlegmatisch und kümmert sich nicht drum, oder reagiert es darauf?


    Da das Klima dummerweise ein im physikalischen Sinne chaotisches System ist, wird es eher nicht entspannt reagieren.
    Es wird sich einen neuen Gleichgewichtszustand suchen.
    Nach bisherigem menschlichem Ermessen wird sich das Klimasystem ab einer Erhöhung der Mitteltemperatur um mehr als 2 Grad auf die Suche nach einem neuen Gleichgewicht machen. Die Suche geht bei chaotischen System dann leider auch sehr chaotisch, sprich es geht auch mal ganz plötzlich und es kann nach oben oder unten heftig ausschlagen. Daher die Aufregung von den Ökospinnern, das man jetzt schon was gegen die Klimaänderung machen muss :spassbremse:


    but now to something completely different...


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    Hat schon jemand mit Bambusfasern gearbeitet? Gibts ja schon in diversen Wellenreitern.


    Aloha

  • Klima und klimabeeinflussende Faktoren sind leider ein Bereich, in dem die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckt. Man beschränkt sich auf einige wenige Faktoren, wie zB. CO2Bilanzen, kann aber selbst über diese nur Schätzungen abliefern.
    Nach Ansicht vieler Wissenschaftler ist der größte CO2 Speicher das Methanhydrat in den Tiefen der Weltmeere. Aber die Schätzungen über dessen Menge differieren gewaltig. Ebenso sind die Vorgänge um Bildung und Auflösung völlig ungeklärt. Und die CO2 Bilanz ist nur einer von vielen Klimabestimmenden Faktoren.
    Wer sich auch mal fernab vom Mainstream zu diesem Thema Anregungen verschaffen will, sollte "Apocalypse no" von Bjørn Lomborg lesen.